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Klaus Amann
Millionen Kinder in aller Welt leisten unter skandalösen Bedingungen Schwerstarbeit. Bei der Entlohnung werden sie gnadenlos ausgebeutet und ihre Gesundheit wird rücksichtslos ruiniert. In Indien beispielweise ist Kinderarbeit nach internationalem und indischem Recht zwar verboten und doch schuften junge Buben in indischen Steinbrüchen und brechen Rohlinge, die dann, industriell zu Grabsteinen bearbeitet, die Friedhöfe auch im Markgräflerland zieren.
Fragen Sie also beim Kauf eines Grabsteines mit fester Stimme, woher
das ausgewählte Exemplar stammt. Beschränkt sich die Antwort
des Steinmetzen oder des Bildhauers auf die Nennung eines
Zwischenhändlers, dann haken sie nach: Und wo hat ihr
Geschäftspartner den Stein denn erworben? Ein braver
Handwerksmeister aus unserer Regio wird sich vor einer Auskunft gewiss
nicht drücken.
Die vor zwei Jahren gegründete Organisation „Xertifix“ mit Sitz in Freiburg im Breisgau will diesem skandalösen Missstand massiv bekämpfen. Mitgründer dieser Organisation ist der CDU-Politiker Norbert Blühm, als ehrenamtlicher Geschäftsführer fungiert Benjamin Pütter, Kinderarbeitsexperte bei Misereor, der die Missstände an Ort und Stelle fotografisch festgehalten hat.
Benjamin Pütter hat dem Markgräfler Bürgerblatt schlimmste Details über die sklavenähnliche Ausbeutung indischer Kinder und Jugendlicher in Steinbrüchen geschildert, die bereits in jungen Jahren unter massiven Gehörschäden, gequetschte Gliedmaßen und sogenannten Staublungen leiden. Vor allem auch wird diesen Halbwüchsigen jedes Recht auf Bildung vorenthalten und die Tageslöhne beschränken sich auf wenige Euro. Oft genug müssen diese jungen Sklaven die Schulden ihrer Eltern und Geschwister abstottern, die beispielsweise bei einer Erkrankung entstanden sind.
Mit dem neuen Zertifikat „Xertifix“ sollen europäische Händler, Steinmetze und Kunden ab Jahresende 2007 erfahren können, welche Grabsteine aus indischer Produktion garantiert nicht durch Kinderarbeit entstanden sind. Dies kontrollieren zuverlässige Mitarbeiter an Ort und Stelle, die über Bestechungsgelder nicht zu beeinflussen sind.
Rund 60 Mal verweilte Benjamin Pütter bislang in Indien und was er massiv anklagt, das hat er nach eigenem Bekunden selber gesehen und mit versteckter Kamera auch filmen lassen. Einige der deutschen Steinmetze und Bildhauer haben längst reagiert und unterstützen das Gütesiegel „Xertifix“.
Zum Beispiel der Freiburger Bildhauer – und Steinmetzmeister Jörg Bollin.
Schon vor einiger Zeit hat er mit zwei weiteren Kollegen eine dritte Firma mit dem Namen „Signum“ gegründet, die aus Gründen der Kosten aber auch der Qualität komplett verarbeitete Grabsteine aus Indien importieren. Jörg Bollin und seine Kollegen stutzten sehr rasch über die unglaublich günstigen Einkaufspreise von Rohlingen und fertig produzierten Grabsteinen.
Die Vermutung verdichtete sich über den Kontakt zum Gütesiegel-Verein „Xertifix“ und durch persönliche Geschäftsreisen nach Indien zur schrecklichen Gewissheit. In mit Stacheldraht und Wachpersonal abgeschirmten Steinbrüchen findet die Ausbeutung der Kinder beim Brechen der Rohlinge statt. Indische Staatsvertreter und Grabsteinhändler lenken das Augenmerk von Kontrolleuren und Journalisten gerne in die halb automatisierten Verarbeitungsbetriebe, wo man dann tatsächlich eher selten auf Arbeitskräfte im Kindesalter trifft. Besuche in Steinbrüchen hingegen werden handfest verhindert.
Die Empörung unter den deutschen Steinmetzbetrieben hält sich in Grenzen. Man will es gar nicht so genau wissen, welche Biografie ihre Grabsteine aus den Steinbrüchen in Indien und aus anderen Ländern der Dritten Welt hinter sich haben. Aber es gibt eine Möglichkeit der direkten und wirksamen Einflussnahme, indem die werte Kundschaft genaue Auskünfte haben will, was für eine Sorte Grabstein die Erinnerung an die Verstorbenen wachhalten soll.
weitere Auskünfte: www.xertifix.de