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Klaus Amann
In den südbadischen Freibädern ist ein inakzeptabler Mißstand zu beobachten; mal mehr, mal weniger. Nicht nur einzelne, pubertierende Jüngelchen, sondern ganze Gruppen an Heranwachsenden springen mit ihren knielangen Bermudas in das kühle Nass. Verschwitzt von der Liegewiese zum Schwimmbecken schlendernd, wird die Duschanlage am Beckenrand "selbstverständlich" übersehen.
Es lässt sich trefflich streiten, ob es sich bei diesen
Bermudahosen
um eine Badebekleidung im Sinne der jeweiligen Badeordnung handelt oder
um eine Freizeithose für den Strassengebrauch. Jedenfalls "voll"
im
Trend, also in Neudeutsch "geil und cool", ist die gewollt sichtbare
Unterhose unter und oberhalb dieser Bermudas. Die "Böx" zu zeigen
ist "super" , den Slip vor dem Badevergnügen auszuziehen
kleinbürgerlicher
Schnickschnack.
Wer diese Jugendlichen aus dem In- und Ausland auf diesen Mißstand anspricht, der wird rotzfrech abgebügelt und -- "eh Mann!" --aufgefordert sich ein anderes Bad zu suchen. Oder liegen womöglich wir "alten Säcke" falsch? Handelt es sich bei dem Anbehalten der Unterhose um eine neue Keuschheit, eine wiederentdeckte Scham der jungen Leute, die wir Kurzbadehosenträger gefälligst zu berücksichtigen haben?
Natürlich ist diese Konstruktion völliger Quatsch, und zwar selbst bei Jugendlichen, die in einer strengen muslimischen Schamkultur beheimatet sind. Die ganz einfache Wahrheit ist vielmehr: die Jünglinge des Jahres 2007 können sich im Schwimmbad wie in der Schule und womöglich auch im Elternhaus rücksichtslos so gut wie alles erlauben. Was also geht es den Verfasser und andere "alten" Leute an, wenn der junge Mann sich mit seiner Unterwäsche im gemeinsamen Badewasser tummeln will? Das - bitteschön - gehört zur Toleranz - vor allem auch gegenüber jungen Ausländern.
Die Regio Bäder GmbH Freiburg beispielsweise sieht wenig Handlungsbedarf - das heißt Sanktionsbedarf - etwa in ihrem "Strandbad" im Osten von Freiburg; sie verweist auf den verhältnismäßig geringen Anteil der Bermuda-Unterhosen-Träger an der Gesamtzahl der Badegäste. Auch sieht ihr Betriebsleiter Robert Grammelspacher in den Bermudas zuallererst die modische Badehose. Die Schwimm " und Bademeister - ganz in Weiß - beschützen nicht nur ihre Badegäste "vor'm absaufen", sondern sie betreuen und pflegen die Freibadewässer mit Umwälzpumpen, Schmutz-Saugern und Chlorbeigaben. Auch wenn das Gedränge im Schwimmbecken groß ist, so darf ein unfreiwilliger Schluck Wasser weder Brechreiz noch Durchfall nach sich ziehen.
Das meist recht freundliche Aufsichtspersonal, etwa jenes im Freiburger Strandbad oder in Heitersheim oder in Steinenstadt oder auch in Lahr haben verständlicherweise wenig Lust, eine Art Bermudapolizei zu spielen und mit den uneinsichtigen jungen Männern herum zu streiten. Solange die Parameter der Wasserqualität stimmen, spielen Hygienedefizite der Badegäste so gut wie keine Rolle. Schließlich steht man im Wettbewerb mit anderen Bädern und "selbstverständlich" ist nach dem Bermuda-Verbot im Müllheimer Schwimmbad die Gästezahl zunächst eingeknickt, berichtet Herbert Gabelmann, Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung Müllheim.
Leider gehört aber auch dies zur Beobachtung. Die jungen Bermudahosenträger erleben jede Menge schlechte Vorbilder. Viele der erwachsenen Badegäste kommen von Zuhause aus bereits mit Bikini und Badehose bekleidet ins Schwimmbad und tauchen ebenso meist ohne Vorabdusche in das gemeinsame Badewasser. Nicht einmal jeder zehnte Badegast, so eine Zählung des Verfassers in der vergangenen Woche im Freiburger Strandbad, nutzt die Dusche am Beckenrand oder die Duschanlage in Nähe der Umkleidekabinen.
Auch wenn die Regiobäder GmbH in Freiburg die Müllheimer und Breisacher Erkenntnisse anzweifelt: Bermudahosen samt Unterwäsche belasten in hohem Maße die Wasserqualität der Schwimmbäder und erhöhen den technischen und chemikalischen Aufwand der Wasserreinigung. Aus dieser Erkenntnis heraus haben die Städte Müllheim und Breisach diese Sorte Badebekleidung rigoros verboten und auch in Weil am Rhein müssen sich in der kommenden Badesaison alle Männer, aber halt doch in erster Linie die Jüngling mit neuen, kurzen Badehosen anfreunden.