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Christine Brink ©
Nun müssen wir schon im Frühling unser hochsommerliches Outfit tragen und das über Wochen! Die Hitze brütet, so lesen wir, den Klimawechsel aus. Dies soll der trockenste April seit Beginn der Aufzeichnungen, der heißeste Mai seit Menschengedenken, der wärmster Winter seit dem Urknall sein.... Obwohl wir schwitzen, schaudert es uns doch bei dem Gedanken an die Folgen für die Welt.
Verteilungskämpfe um Wasser erwarten uns, Land unter heißt es in
Hamburg und bei den Niederländern. Sie werden mit ihren Wohnwägelchen
auf der Suche nach Asyl im Schwarzwald und in den Vogesen umherirren.
Auf den Seychellen können wir nur noch in Unterwasserhotels Tauchurlaub
machen. Dafür erfreuen uns dann im Titisee Delfine. Die Eisbären ziehen
von den Polen um ins Kühlhaus des Basler Zolli. In den Rheinschwellen
am Isteiner Klotz unter schattigen Palmen das ganze Jahr über Baden
gehen (im wahrsten Sinne des Wortes) ist keine lockende Vorstellung
mehr - wenn dort hungrige Krokodile auf uns lauern und
Malariaprophylaxe angesagt ist.
Beinahe hätte es das erste Mal ein für Mai überliefertes Hitzefrei für unser Schulkind gegeben.
Da stand endlich Pfingsten vor der Türe. Wir, eine moderne Familie, beschlossen positiv zu denken und damit gesund und volkswirtschaftsförderlich.
Wir würden diese multimediale Panikmacherei einfach ignorieren! Wir würden das Beste aus dem Inferno machen! Wir würden unser Leben in mediterranem, nein, auch gerne in karibischem Ambiente zu genießen wissen! Und dann?
Ich weiß nicht, was Sie getan haben, wir jedenfalls packten die Vliespullover, die Gummistiefel und den Riesenregenschirm aus. Mein Mann fragte nach jedem Gassigehen den zitternden Hund „soll ich die Heizung einschalten, du Armer?“ - Das Gas hatten wir ja schließlich – mal von der Dreihundert - Euro - Gaspreiserhöhung abgesehen - im letzten Winter eingespart, der so schön warm war.
Das Kind brachten wir ins heiß (!) ersehnte Pfingstlager im Hotzenwald. Allerdings waren die Zelte hinter den eiskalten Regenböen nur schemenhaft zu erkennen. Der Bach, der sonst so sanft und fröhlich an Bauer Fröhlins Zeltwiese entlang gurgelt, riss zwar noch keine Baumstämme mit, aber er schwabbte schon bedrohlich über die Uferböschung. Sie werden sicher überleben.
Auf dem Feldberg lag der erste Schnee in diesem Winter. Oma bekam einen akuten Rheumaschub und war nicht mal am Pfingstsonntag in der Kirche. Leben und Wetter bedeuten ständige Veränderung, sagte ich mir. Reife Menschen sagen ja dazu!
So saß ich an den Feiertagen zufrieden im Sessel in eine Wolldecke gehüllt. Ich sah den Regentropfen beim Muster malen auf der Fensterscheibe und meinen Kürbispflänzchen beim Wachsen zu. Sie schafften ungelogen stündlich einen Zentimeter! Ich freute mich schon auf das goldene Leuchten der Früchte im sonnigen Herbst. Alles wird gut! Aber da, was ist das? Rote, braune und gelbe, nackt oder mit Haus beladen, sie kriechen zu Dutzenden heran. Sie hinterlassen silbrige Spuren und blattlose Gerippe und sie lieben die Nässe ....
Das Wetter, oh je!