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Klaus Amann
Die Deutsche Bahn AG hat die meisten ihrer Provinz-Bahnhöfe im doppelten Sinn des Wortes abgeschrieben. Zum einen sind sie für den technischen Betrieb seit Jahren überflüssig; nun müssen die Fahrkartenautomaten und die potthässlichen Unterstände für Menschen und Fahrräder genügen. Zum anderen wird in den Gebäudeerhalt und das äußere Drumherum minimal investiert. Die Bahn will die Bahnhöfle los werden – zu saftigen Preisen versteht sich. Und so werden Bahnhöfe und ihre Areale in vielen Fällen auch zum optischen Schandfleck der Gemeinden.
Das hat auch Bürgermeister Werner Bundschuh aus Schliengen erkannt
und das Bahnhofs-areal samt Bahnhof quasi zur Chefsache erklärt. Das
Dorfbahnhöfle der Winzergemeinde Schliengen soll ein schmuckes
Aushängeschild werden. Heute, Donnerstag, den 14. Juni 2007 hat der
Bürgermeister seine Bürgerinnen und Bürger zu einem Diskussionsabend in
den Sitzungssaal des Rathauses Schliengen eingeladen. Thema:
„Schliengener Bahnhof – was nun ?“
Der Bahnhof Schliengen schrieb badische Eisenbahngeschichte, denn genau vor 160 Jahren wurde der Streckenabschnitt Mannheim-Karlsruhe-Freiburg-Schliengen fertiggestellt und eröffnet. „Schleeenge! Alles usschtiege!“, so riefen die Schaffner, denn das neue Bahnhöfle war für eine ganze Weile der südliche Endhaltepunkt, ein sogenannter Sackbahnhof mit einer „Drehscheibe“ für die Dampflokomotive.
Am 14.Juni 1847 wurde der Bahnhof Schliengen und die ebenso neue Bahnhofswirtschaft mit Pathos und Weingläsergeklingel eingeweiht. Sage und schreibe zwei Züge erreichten die Gemeinde und zwei fuhren ab, jeweils morgens und abends.
Wie viele Menschen sind im Verlauf der nachfolgenden 160 Jahre im Schliengener Bahnhof wohl angekommen und abgereist? Hunderttausende? Eine Million gar? Wie oft wurde beim Eintreffen der Fahrgäste geherzt und geküsst? Wie oft wurde auf den Bahnsteigen beim Abschied auch geweint, damals, als man „jungi Böbe und gschtandeni Männer“ als uniformierte Soldaten an die Fronten der Weltkriege holte ?
160 Jahre Aussteigen und Einsteigen im Rhythmus der Fahrpläne. Ja, der Bahnhof Schliengen war auch für die Orte „drum umme“ zuständig, zum Beispiel für die Pendler aus Steinenstadt, Liel, und auch für das Eggenertal. Mächtig Betrieb war auf den Bahnsteigen, im Wartesaal und auch im Umfeld der Güterhalle. Und auch die Bahnhofswirtschaft hatte stete Kundschaft. Das Bahnhofspersonal und ihre Bahnhofsvorstände kümmerten sich um den geordneten Bahnbetrieb, egal ob zu Zeiten der „Badischen Staatsbahn“, der „Reichsbahn“ und der „Bundesbahn“.
Und sie sorgten auch für die optische Ordnung auf dem Gelände......
.........und schon landen wir in der Jetztzeit, denn seit den 1980er Jahren war es mit dem Bahnhof Schliengen steil bergab gegangen; „Zug um Zug“ blieb er sich quasi selber überlassen, nachdem man ihm seine bahntechnische Funktion genommen wurde. Hinzu kam der Abbau der „Schlengemer Schranke“ Richtung Steinenstadt; die Durchgangsstrasse fiel als Stichstrasse quasi in einen Dornröschenschlaf.
Wahrlich, der Putz bröckelnde Bahnhof Schliengen samt Areal ist zur Zeit alles andere, nur kein schmucker Repräsentant der Gemeinde, sondern beide verweilen eher im Zustand eines „Hinterhofs“, auch wenn Gemeindearbeiter sich seit einiger Zeit um die Sauberkeit des Wartesaals bemühen.
Bürgermeister Werner Bundschuh und der Gemeinderat Schliengen wollen sich mit einiger Dringlichkeit ihres Bahnhofes annehmen und zwar durch Kauf und damit durch die Übernahme der Gesamtverantwortung - „wenn’s klappt und s’Geld längt!“ Und an Ideen für die Nutzung von Gebäude und Areal wird es nicht mangeln.
Ach ja, da war doch noch was - Bad Bellingen und Auggen dürfen sich an Schliengen ein Beispiel nehmen – gell!.