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Wie ich diesen Muttertag in meiner Kindheit verabscheute! Wieso
sollte ich an einem mir vorgegebenen Tag meine Mutter besonders ehren?
Zählten meine anderen Liebesbeweise nicht? Ich erinnere mich an nicht
enden wollende Schulstunden, in denen wir mir fremd vorkommende
Gedichte in Schönschrift auf einen Zeichenblock schreiben mussten. Mit
selbst angefertigten Hilfslinien und von bunten Blumen umsäumt, die wir
mit Holzstiften zeichneten.
Meine Mutter versuchte sich ein Lachen zu verkneifen, als sie meine Schreibfehler sah und mit allwissendem Lächeln nahm sie die Blumen entgegen, welche offensichtlich nicht nur aus dem eigenen Garten stammten. Jeder hat da so seine Erinnerungen.
Muttertag hat bei vielen auch einen bitteren oder traurigen Beigeschmack. Da sind die Frauen, die sich immer danach gesehnt haben, Mutter zu werden und diesen Wunsch nie erfüllt bekamen. Andere denken nicht gerne an ihre Kindheit, geschweige denn an ihre Mutter, die ihnen nicht das geben konnte was sie gebraucht hätten. Ebenso gibt es viele, die sich nach ihrer Mutter sehnen, die nicht mehr da ist.
Für Mütter, die ein schlechtes oder spärliches Verhältnis zu ihren Kindern haben ist dieser Tag besonders schmerzhaft. Bei all diesen Gedanken kommt mir der Muttertag wieder einmal befremdlich vor.
Wäre doch mal was, am Muttertag die aufzumuntern, die mit dem Thema Mutterglück nicht so gut zurechtkommen!
Sabina Dobslaw