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Klaus Amann
„Die wirtschaftliche und soziale Lage der Markgräfler Weinbauernschaft, dargestellt am Amtsbezirk Müllheim i/Baden“ – Inaugural-Dissertation der hohen rechts – und staatswissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwig-Universität Freiburg zur Erlangung der staatswissenschaftlichen Doktorwürde, vorlegt von Fritz Fischer aus Müllheim i/Baden.“
So steht’s auf dem Deckel der „Doktorarbet“ des Müllheimer Studenten aus dem Jahre 1925; das Original wird zusammen mit vielen Erinnerungsstücken in der Fritz-Fischer-Sonderausstellung „Aquarelle, Zeichnungen, Texte“ im Markgräfler Museum Müllheim erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zu sehen ist auch der von Fritz Fischer ein Leben lang aufbewahrte Studentenausweis.
Diese, nunmehr vom Markgräfler Museum Müllheim gehütete empirische Untersuchung über die Sozial – und Wirtschaftsstruktur im Markgräfler Weinbau in den Jahren 1900 – 1924 erweist sich bei der Lektüre als ein höchst bemerkenswertes, heimatgeschichtliches Dokument. Es verdient im Grunde genommen eine neuerliche Publikation als Buch, denn seinerzeit mussten Studenten nur wenige, per Schreibmaschinenabschrift vervielfältigte Exemplare abliefern. Für einen professionellen Buchdruck fehlten Dr. Fritz Fischer und seiner Familie in den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg die Geldmittel. Das wenige an Erspartem war ihnen im Verlaufe der Währungsinflation 1923 verloren gegangen.
Der 1986 verstorbene Ehrenbürger der Stadt Müllheim gliederte seine
„Doktorarbet“ in 6 Kapitel. In Kapitel 1 und 2 beschreibt er die
territorialen Grundlagen des Markgräfler Weinbaus, „der Amtsbezirk
Müllheim als typischer Bezirk des Markgräfler Weinbaus, die
Bodenbenutzung und die Bevölkerungsverteilung“. In Kapitel 3 „die
Verteilung des Rebbesitzes und seine sozialrechtliche Struktur mit
Berücksichtigung der allgemeinen landwirtschaftlichen
Besitz-Verhältnisse“. In Kapitel 4 beschreibt der Doktorand den
„Verkehrsbodenwert der Rebgrundstücke, Ertrag – und Absatzverhältnisse
des Markgräfler Weinbaus und die Frage seiner Rentabilität im
Amtsbezirk Müllheim“. In Kapitel 5 werden die Verschuldungsverhältnisse
der Landwirtschaft im Amtsbezirk Müllheim dargestellt und in Kapitel 6
„Die Stellungsnahme des Staates zum Weinbau“.
Aus der Fülle des Zahlenmaterials sei nur wenige Beispiele erwähnt. Der Herbstertrag und der Weinpreis im Amtsbezirk Müllheim betrugen in den Jahren 1900 – 1923 durchschnittlich „14,3 hl pro Morgen“ bzw. „39,6 hl pro Hektar“ und brachte einen Erlös von „43,2 Mark pro hl“. Ein Rekordtief erlebte der Amtsbezirk im Weltkriegsjahr 1917: noch nicht einmal 5 hl pro Hektar tröpfelten in die Fässer.
Gute alte Winzerzeiten? „Jo, bigoscht...“. Wer erinnert sich noch an die angefaulten „Reb-Schtecke“, die da einzeln, Rebstock für Rebstock ausgetauscht, hundertfach, tausendfach mit einem „Schtieg - Ise“ in die Erde gerammt werden mussten. Wer weiß noch um die „Müh und Plag“, wenn es hieß „Rebe hacke“, Zeile um Zeile, immer bergauf. Und dann die verdammte Schädlingsbekämpfung mit „de Rebschbritzi uffem Buckel“, das Gesicht vom „Vitreol“ so grün gefärbt wie die legendären Marsmännchen.
Und war dann „dr’ Herbscht“ im Bottich mit dem Ochsengespann kräftig
durchgeschüttelt endlich „däheim uffem Hof“ angelangt, dann begann das
ebenso so mühselige „Drotte“ per Muskelkraft. Und das flüssige Ergebnis
all der Schinderei? Der Rebensaft war meistens eher bescheiden, sowohl
in der Qualität wie in der Quantität. Da stellte sich nicht die Frage
nach einem „Jahrhundertwein“, sondern die kleine „Rebbuure“ waren meist
schon froh, wenn sie einige hundert Liter Fasswein zustande brachten,
den „me guet suffe und do dämit au verkaufe cha“. Der sogenannte
„Huustrunk“ , eine Zweitverwertung der Maische mit allerlei Zutaten wie
Äpfel und Zucker, das war „ bigoscht e grusigs Gsöff“. Das gute
Viertele gehörte anno dazumal eher zur Markgräfler Sonntagsfreude.
Verständlich, an den Winzerfesten und Familienfesten – auch auf den
Müllheimer Weinmärkten - da wurde von den Mannsbildern manch ein
preiswertes Räusch’lein nachgeholt.
Gerade auch im Zusammenhang mit den Müllheimer Weinmärkten bleibt Dr. Fritz Fischer als Plakatmitgestalter in der Erinnerung und in den Herzen vieler Markgräfler weiterhin lebendig, dieser liebenswerte „Müllemer“, der am 17. Februar 1900 in eine evangelische Handwerkerfamilie hinein geboren wurde. Als überaus fleißiger und hoch intelligenter Sohn „kleiner Leute“ besuchte er das Gymnasium und vollendete seine akademische, betriebswirtschaftliche Ausbildung schließlich mit dem „Doktor“; dies war in jener Zeit noch eine auffallende Seltenheit, denn „die Fischers“ gehörten ja nicht zu den „besseren“ Kreisen der Müllheimer „Städtle“ - Honoratioren.
Und was wurde aus dem „Dokter Fischer“ ab 1927? Ein äußerst fachkundiger Heimatjournalist in politisch dramatischen Zeiten. Im Festvortrag anlässlich des Müllheimer Stadtfestes 2007 sollen der Journalist Dr. Fritz Fischer und seine Zeit ausführlich vorgestellt werden.
Der Müllheimer Weinmarkt beginnt am Freitag, 27. April um 16 Uhr. Eröffnet wird er vom Schirmherrn Heiner Brand, Bundestrainer der Deutschen Handball-Nationalmannschaft, die dieses Jahr Weltmeister wurde.
Einen Einblick in die Geschichte der Müllheimer Weinmärkte wird eine Ausstellung geben, bei der unter anderem Weinmarktkataloge der frühen Jahre um 1877 zu sehen sein werden.
Weinkenner und Liebhaber ganz besonders alter und edler Tropfen haben die Möglichkeit „Raritäten“ zu verkosten. An einem Extrastand werden Kostbarkeiten aus den Kellern zum Probieren angeboten, die 25 Jahre und älter sind.
Zum Ausklang des Jubiläumsweinmarktes wird, in Erinnerung an frühere Märkte, ab ca. 22 Uhr zum Tanz geladen. Es spielt die Kapelle Atlantis.