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Kirschblütenpracht im Markgräflerland

Zerscht wiss un dann rot!

Klaus Amann

Das waren nun wirklich wunderbare

Ostertage - gell! Blauer Himmel, wärmende Sonne und zart verspielte Lüftchen. Am vergangenen Wochenende gab es die Fortsetzung der wohltuenden Frühlingsatmosphäre, die seither auch die gefiederte Vogelwelt zu konzertanten Höchstleistungen anspornt.

Kirschblüten„Ganz in Weiß“, so hatte die Markgräfler Kirschblütenzeit Einzug gehalten und damit auch die Saison der „Kirschblütenhockete“ im Eggener Tal und auf der Gemarkung Müllheim-Feldberg gestartet. Einheimische und Zugereiste, Ausflügler und Kurgäste, Spaziergänger und Radfahrer vermengten sich immer wieder zu einem gut gelaunten Völkchen. Vereine wie der „Gemischte Chor Feldberg“ organisierten auf der Gemarkung mehrfach an zwei Stationen Speis und Trank. Und irgendwie müssen es die gastfreundlichen Feldberger an Ostermontag dem SWR 4 -Radioreporter angesehen haben: „Der bruch zerscht e Schtuck Chriesechöche...“

Die jungfräuliche Schönheit der weißen Kirschblüte ist ein traditionelles Kultursymbol in vielen Ländern und Regionen dieser Erde; vor allem auch in Japan. Die relative Kurzlebigkeit der Blüte verweist auf den Aufbruch und die Vergänglichkeit alles Irdischen, wobei die Kirschblüte im Grunde genommen ja nicht stirbt, sondern wie ein Herold ihre Nachfolgerin ankündet: die dunkelrote Kirsche.

Sie, „d‘Chriese“ ist neben der mächtigen Schwarzwaldtanne und dem Gutedel, der süße, wohlschmeckende Repräsentant unserer Heimat. Die Schwarzwald -Kinofilme der 1950 er Jahre wurden seinerzeit vorzügliche Werbeträger für den „Schwarzwälder Kirsch“. Ob als Tafelobst pfundweise „verputzt“ oder als „Wässerle“ verkostet, ob zu Konfitüre oder als Torte aufbereitet, „Schwarzwälder Kirsch“ beweist eine stabile Markenqualität, obschon der Hochprozentige nicht mehr jenen Absatz findet wie noch zu Opas Zeiten. Auch muss sich das Schwarzwaldobst in Qualität und Preis vehement gegen die internationalen Kirschangebote behaupten.

Nun, bereits die Steinzeitmenschen haben die Früchte gesammelt und gegessen. Archäologen entdeckten bei Ausgrabungen versteinerte Kerne in den Höhlen unserer Vorfahren. Erste gezüchtete Kirschen brachte der römische Feldherr Lucullus auf seinen Reisen vom Schwarzen Meer über Rom nach Germanien. Heute sind Kirschen weltweit verbreitet. 80 Prozent der Welternte kommen aber aus Europa. Der Name der Früchte stammt vom iranisch-kurdischen „keras“ ab, wurde römisch zu „cerasus“ und später althochdeutsch zu „kirsa“. (Quelle: WDR Köln)

Und was schrieb der große Johann Peter Hebel über seine „Chriese“ ?

Der Liebgott het zum Früehlig gseit:

„Gang, deck im Würmli au si Tisch!“

Druf het der Chriesbaum Blätter treit,

viel tausig Blätter grüen und frisch.

Und‘s Würmli, usem Ei verwacht‘s

‚s het gschlofen in sim Winterhus;

es streckt si und sperrt ‚s Müli uf

Und ribt die blöden Augen us.

Und druf, se het‘s mit stillem Zahn

am Blättli gnagt enanderno

und gseit: „Wie isch das Gmües so guet!

Me chunnt schier nimme weg dervor“

Und wieder het der Liebgott gseit:

„Deck jez im Immli au si Tisch!“

Druf het der Chriesbaum Blüete treit,

viel tausig Blüete wiß un frisch.

Und‘s Immli sicht‘s und fliegt druf hi,

früeih in der Sunne Morgeschin;

es denkt: „Das wird mi Kaffi si,

sie hen doch chosper Porzelin.

Wie sufer sind di Chächeli gschwenkt!

Es streckt si troche Züngli dri.

Es trinkt und seit: „Wie schmeckt‘s so süeß,

Do mueß der Zucker wolfeil si.“

Der Liebgott het zuem Summer gseit:

„Gang, deck im Spätzli au si Tisch!“

Druf het der Chriesbaum Früchte treit,

viel tausig Chriesi rot und frisch.

Und‘s Spätzli seit: „isch das der Bricht?

Do sitzt me zue und frogt nit lang.

Das git mer Chraft in Mark und Bei

und stärkt mer d‘ Stimm zum neue Gsang.“

Der Liebgott het zum Spötlig gseit:

„Ruum ab! sie hen jetz alli gha!“

Druf het e chüele Bergluft gweiht,

und‘s het scho chleini Rife g‘ha.

Und ‚d Blättli werden gel und rot

und fallen eis im andere no,

und was vom Boden obsi chunnt,

muß au zuem Bode nidsi goh.

Der lieb Gott het zuem Winter gseit:

„Deck weidli zui, was übrig isch.“

Druf het der Winter Flocke gstreut!

Nun, das mit den Winterflocken dauert noch ein sattes Weilchen. Erfreuen wir uns in diesen Tagen vor allem an der weißen Blütenpracht der Kirschbäume. Und wenn wir in bälde ein süßes Markgräfler Kirschlein in den Mund stecken, „druf bisse“, das Fruchtfleisch lösen und das Steinchen ausspucken, dann dürfen wir zum Himmel hoch blinzeln und uns mit zwei Worten bedanken: „Guet g‘macht....“.

 

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