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„Ebs mache fer d’Sproch“ heißt es in einem Schreiben eines Kultur
fördernden Amtes und Vereins aus Straßburg an die Gemeinden im Elsass.
Um dem alten Mythos der verstaubten elsässischen Sprache wieder Leben
einzuhauchen, riefen vor sechs Jahren traditionsbewusste Elsässer den
Verein „E Friejohr fer unseri Sproch“ (Ein Frühjahr für unsere Sprache)
ins Leben. Das Amt für elsässische Sprache und Kultur (Office pour la
Langue et la Culture d’Alsace) unterstützt diesen Verein in seinem
kulturellen Impetus und gemeinsam initiierten sie das gleichnamige
Frühjahrsfest. Seither feiern viele Gemeinden Ende März ihr „Friejohr
fer unsri Sproch“. Zwar findet das Frühjahrsfest in der Tat zu
Frühjahrsbeginn statt, doch mit dem „Friejohr“ meinen die Elsässer das
Wiederaufblühen ihres verwelkenden Sprachgutes, des elsässischen
Dialektes.
Die Wurzeln des Elsässischen liegen in der alemannischen Sprache. Historiker vermuten, dass der Großstamm der Alemannen sich im Verlauf des 3. Jahrhunderts nach Christus aus verschiedenen Stammesgruppen bildete. Erstmals wurden sie wahrscheinlich schon um circa 213 nach Christus geschichtlich greifbar. Das Siedlungs- bzw. Herrschaftsgebiet der Alemannen wurde im Frühmittelalter als Alamannien bezeichnet. Das historische Ausdehnungsgebiet der alemannischen Dialekte (wozu auch Schwäbisch gerechnet wird) erstreckt sich über die bundesdeutschen Länder Baden-Württemberg (südliche zwei Drittel) und einen kleinen Teil Bayerns (vor allem den Regierungsbezirk Schwaben), die Deutschschweiz, Liechtenstein, das französische Elsass sowie die österreichischen Bundesländer Vorarlberg und Tirol (Bezirk Reutte).
Im elsässischen Blodelsheim veranstaltete das Haus der Jugend und Kultur (La Maison des Jeunes et de la Culture) am Samstag, den 31. März unter der Regie von Daniel Maurer (52), dem Vorsitzenden der Theatergruppe, ihr „Friehjohr fer unseri Sproch“. Die Blodelsheimer zelebrierten das Wiederaufblühen mit elsässischem Gesang, Witzen und Sketchen sowie einem kleinen Theaterstück „A Grossi Reiss um d’Wald“ (Eine große Reise um die Welt). Maurer weist darauf hin, dass viele Elsässer zwischen 40 und 60 Jahren, den Dialekt zwar beherrschen, ihn aber nicht mehr sprechen, schon gar nicht mit ihren Kindern. „Auch viele Großeltern machen einen großen Fehler, wenn sie Französisch mit ihren Enkeln sprechen. Die Jugend sollte den Dialekt zumindest verstehen“, sagt der Theaterleiter. Die Gemeinde Blodelsheim bietet mittlerweile für ihre Bevölkerung Sprachkurse in Elsässisch an, in der sich eine breite Altersgruppe bis zu 60 Jahren widerspiegelt.
Aus einem Sketch von Freddy Willenbucher „Wie wird’me Hundertjahrig“:
So heere gùet Ihr Lit, e G’Heimnis isch do keins
Ihr kenne o Alt wàre, grad so wie Unsereins,
Es isch do jedefalls kei Hàxerai dr’bi
Mien nur de Prinzipie fidel un trey bli.
Ihr derfe eych Làbtags trinke nie kei Alkool,
Numme Wasser, das macht eim nochmol so wohl.
Un hauptsàchlig d’Mànner, die mien ihr vermeide
Das Gsindel soll anderschwoh geh weide
Gschtohle kaht’s mir wàre, das Hosevih
Denn ohne ihm dùets mir viel besser geh.
Dr’ zùe mien ihr an de sechse schu ins Bett
Un so wàrre ihr o hundertjàhrige ich wett!
Heike Loesener