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Klaus Amann
Ein tiefes Auf– und Durchatmen in der Bädergemeinde ist hörbar. Die neue Quellerschließung IV sichert Bad Bellingen die Zukunft als Kurort, denn die alten Quellbohrungen sind, über die Jahrzehnte hinweg, „müde“ geworden. Mit einem spontanen „Quellfeschtli“ der Bevölkerung wurde am vergangenen Dienstag daher zurecht und voller Freude gefeiert. Für den Ohrenschmaus sorgte die Chorgemeinschaft Bamlach-Rheinweiler-Bad Bellingen, es gab zahlreiche Redebeiträge der Prominenz, allen voran Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg, es gab eine Badepremiere der Bohrmannschaft und einer Architektengruppe aus Japan. Auch Bürgermeister Günther Kurpjuweit und Kurdirektor Oliver Heintz saßen im historischen Bottich, der „Bogde“.
Man darf sich die Konsequenzen nicht vorstellen, wäre diese Bohrung schief gelaufen, wie schon einmal während der Amtszeit von Altbürgermeister und Kurdirektor Eberhard Stotz geschehen. Die Bad Bellinger hätten für einen sechsten Bohrversuch weder die Finanzmittel gehabt, noch wären „us Schtögert“ weitere Zuschüsse geflossen. Jetzt aber haben die Bad Bellinger auch in der Zukunft Heilwasser in ausreichender Menge. Das ist gut so und auch das Markgräfler Bürgerblatt gratuliert der Gemeinde und freut sich mit ihr.
Zwar sind die Bad Bellinger Jubiläumsfeiern des vergangenen Jahres längst verklungen, doch der Blick geht in diesen Tagen erneut in die Ära der Quellpremiere vor 50 Jahren zurück, die das kleine „Buure- un Fischerdörfle“ der „Lingebäumler“ – so der Spitzname – in wenigen Jahren auf den Kopf stellte. Auch für uns Kinder, die an der Quellerschließung seinerzeit keineswegs ungetrübte Freude hatten.
Frech waren wir Lausbuben 1956 und 1957. Wir haben die Bohrarbeiter geärgert, beschimpft, ihnen die Zunge raus gestreckt und versteckten uns dann – auf der Flucht vor einem „Ranze voll“, in den aus Geäst und Goldruten, in nächster Nähe zum Bohrgeschehen, gezimmerten „Hütte“, im „Grünli“.
Ja, dieses „Grünli“ zwischen Alt-Rhein und Dorf, das sahen wir Kinder von diesen Bohrleuten und ihrem Bohrturm irgendwie bedroht, diesen Hektar großen Abenteuerspielplatz mit seinen Schlangen und Eidechsen, mit seinen Goldruten und „Hirschtli“ und seinem „Kickplatz“. Soll sich die so übel nach faulen Eiern stinkende, dampfende, braune Wasserbrühe womöglich zu einem „Grünli-See“ ansammeln?
Uns Kindern schien das so, denn das neue Heilwasser strömte in den legendären, randvollen Weinbottich, schwappte unaufhörlich über den Bottichrand und verteilte sich ungezügelt und dampfend im großen Umkreis, färbte Boden und Gräser rostbraun und ließ eine Art Sumpflandschaft entstehen. In dem warmen Morast stapften wir Buben barfuss umher und sahen in dem Geschehen ein weiteres Abenteurer, zumal die ersten, durchaus beleibten Badegäste sich ja hinter den Büschen in die Badebekleidung zwängen mussten. Da gab es doch manches klammheimlich und keck zu beobachten.
Zu den ersten baulichen Provisorien gehörte denn auch ein langer Abwasserkanal, den die Bellinger Mannsbilder auf Geheiß ihres Bürgermeisters Markus Ruf selber schaufelten. Und mit dem Abwasserkanal kam auch die Mutprobe: wer von uns Jungs schafft den Sprung über die Abwasserbrühe, die da nun kanalisiert, träge dahin dümpelte.
„Fast“, aber halt nur „fast“ hätte der Verfasser den Sprung geschafft.......