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Klaus Amann
„Veronika, der Lenz ist da!“ Vor 75 Jahren begrüßten die legendären Sänger der „Comedian Harmonists“ schwungvoll den neuerwachten Frühling. Doch in diesem Jahr fehlt dem Lenz das rechte Temperament und er gibt sich eher verhalten und verschnupft, so, als ob er uns sagen wollte: Es könnte ja nochmals nass und arschkalt werden. Tatsache ist, dass die vorausgegangenen Wochen und Monate das Prädikat „Winterszeit“ verloren haben. „Ach und seufz“, wo blieben diesmal die meterhohen Schneeverwehungen und der tiefe Frost, wo blieben die roten Nasen und kalten Ohren?
Sei’s drum, wir lassen uns die Frühlingslaune nicht verderben und
tun so „als ob“. Schließlich gibt es nicht nur den Frühling „dusse“,
sondern auch in uns „drinne“. „Der Frühling naht mit Brausen“
verkündete ein Lied von Felix-Mendelsohn-Bartholdy – „er rüstet sich
zur Tat und unter Sturm und Sausen keimt still die grüne Saat.“
„Tu ab die Wintersorgen, empfange frisch den Gast, er fliegt wie junger Morgen, er hält nicht lange Rast“. „Und wie die Vöglein leise anstimmen ihren Chor, so schallt auch deine Weise aus tiefer Brust hervor“.
Frühlingsstimmung, wohin wir auch lauschen und gucken. Sogar im Umfeld von Bürgermeisterwahlen. Friedlich und brav erhielten die Amtsträger aus Badenweiler und Neuenburg ihre Verlängerung und auch in Bad Bellingen hocken die beiden Kandidaten – politisch gesehen – fast in ein- und demselben Frühlingsnestchen und brüten um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.
Wir aber sehnen uns zwischenzeitlich hinaus in die Ferne, hüpfen über Stock und Stein hinauf auf der Gipfel – Höh und wieder hinunter in die Täler, wo frühlingsfrische Bächlein plätschern. Und wer Lust hat, der darf auch singen, alleine oder zu Zweit, zu Dritt, laut, vernehmlich und vor allem wohlklingend.
„Lieber Frühling, bringe uns Blumen, Laub und Lieder, schmücke wieder Feld und Wald!“ Nationaldichter Hoffmann von Fallersleben seufzte mit diesen Worten einst dem Lenz entgegen. Heinrich Heine hingegen beklagte „des Frühlings traurige Lust“, denn „die blühenden Mädchen, die wilde Schar, sie stürmt dahin mit flatterndem Haar“. Für ihn bleibe da - wohl nicht schnell genug mein Junge - nur „Jammergeheul“. Romantiker Ludwig Uhland hingegen bekannte seinen „Frühlingsglauben“ mit den Worten: „Die linden Lüfte sind erwacht, sie säuseln und weben Tag und Nacht, sie schaffen an allen Enden, o frischer Duft, o neuer Klang, nun armes Herze, sei nicht bang, nun muss sich alles wenden, die Welt wird schöner mit jedem Tag, das Blühen will nicht enden!“
Ja, zu dieser Jahreszeit in Weiß und Rosa, da gehören auch die Frühlingsgefühle und wir Mannsbilder dürfen es euch Frauen ruhig gestehen. Im Frühling schauen wir Euch ganz besonders oft hinterher. Manche von uns tun dies frech und übermütig, die meisten wagen den Flirt eher diskret. Doch, mit den Frühlingsgefühlen ist das so eine Sache, denn sie können überschwappen und der frisch Verliebte ist dann ganz und gar blind und verkennt die Sachlage. Denn viele Frauen – ach jaaaaa - sind vergeben. Und den Ehemann, ja, den sollte man nicht übersehen!
Jeder sonnige Frühlingstag – sofern es ihn gibt - hat auch seinen milden Frühlingsabend und – seine laue Frühlingsnacht. Und scheint der Mond und funkelt das Sternenzelt, dann hat schon manch ein braver Mann sein Herz an ein braves Maidli verloren und dann – am folgenden Morgen – ist er auf der Suche, so wie einst Bernhard Ette, der anno dazumal auf einer alten Grammophonplatte geklagt hatte: „Halt! Haben Sie mein Herz gesehen? Ohne Herz kann man nicht leben, darum will ich es zurück! Oder sie soll ihrs mir geben – ach, das wäre ein Glück.......
Soeben guckt der Verfasser durch das Fenster in Gottes freie und derzeit trübe Natur --- und schwupp – all die Frühlingsgefühle sind wie weggeblasen. Hoffen wir gemeinsam auf die Rückkehr derselben.