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Leserbriefe

zu unserem Artikel in Ausgabe: MBB Nr. 4 „Weniger isch viellicht mehr!“

Werter Herr Amann, ihr obiger Bericht über die vergangene Fasnet-Campagne traf den so genannten „Nagel auf den Kopf‘.

Als Schriftführer und Ehrennarr der Schnecke-Narre e. V. Pfaffenweiler blicke ich auf eine über 30 jährige Praxis in der alemannischen Fasnet zurück. Obwohl die meisten Zünfte mit der diesjährigen Fasnet zufrieden sein können, sieht aber die Gesamt-Situation der Vereine nicht so rosig aus.

Mich wundert nicht, dass Zunftabende und Umzüge ausfallen. Der Nachwuchs fehlt, die alten „Haudegen“ werden vergrault (Generationsprobleme), zum Teil gehen sie, weil sie über einen langen Zeitraum die ,,Knochen hingehalten“ haben und nun nicht mehr einsehen, warum sie sich das alles noch antun sollen.

Sie sehen es völlig richtig, die Programme an den Zunftabenden werden vom verwöhnten Publikum mit den Profis aus Funk und Fernsehen verglichen. Wir in Pfaffenweiler sind gottlob seit Jahren in der Situation, über qualifizierte Vereinsmitglieder zu verfügen, die in der Lage sind ein tolles Programm am Zunftabend zu machen, obwohl auch in diesem Jahr die Unterstützung von außen rückläufig war. Durch persönliche Beziehungen und einer entsprechenden Motivation, ist es uns aber wieder gelungen, diese „Käpsele“ auf die Bühne zu bringen.

Da die Casting-Shows überlaufen sind, sollte man doch annehmen, dass junge Leute die Gelegenheit wahrnehmen, um sich dementsprechend auf einer Fasnet-Bühne zu präsentieren (Ballett oder dergleichen).

Für die Zuschauer sind die Fasnet-Umzüge immer noch eine Attraktion. Hinter den Kulissen hat aber niemand eine Vorstellung davon, wie die Haftung und die Vorschriften des Landratsamtes Breigau-Hochschwarzwald aussehen. Trotz abgeschlossener Versicherung sind die Vorschriften so, dass wir Vorstandsmitglieder mit unserem Privatvermögen haftbar gemacht werden können, wenn irgendwo auf der Umzugsstrecke bei einem Unfall z. B. kein Ordner steht. Wir sind nicht in der Lage, die Augen überall zu haben, denn auf Grund der natürlichen Fluktuation, zählen die Schneckennarren noch 6 Mitglieder und das erklärt auch, warum man uns auch nicht mehr (mit unserem Schneck) bei auswärtigen Umzugsveranstaltungen sieht.

-Hoch zu loben sind die Wagenbauer, die unter zeitlichem und finanziellem Opfer, ihren Beitrag für die Umzüge leisten. Sie sollten allerdings ihre „fahrbaren Discotheken“ in der Lautstärke reduzieren, auch ist die Personenbeförderung nach den Umzügen auf den Anhängern nicht gestattet.

Es wundert mich daher nicht, dass manche Zünfte nicht mehr bereit sind, einen Umzug durchzuführen.

 Wir können alle nur hoffen, dass hinter uns etwas nachwächst! Vielleicht wird auf Grund dieses Artikels der ein oder andere animiert, sich an der Fasnet 2008 entsprechend einzubringen.

Lothar Hengst, Pfaffenweiler

Leserbrief II

Sehr interessiert, doch mit einer gewissen Verwunderung, habe ich Ihren Bericht gelesen. Ich selbst bin seit über sechzehn Jahren Mitglied in einer alten traditionellen Zunft. Ich glaube nicht, dass man eine Fasnachtsmüdigkeit am Fernsehen festmachen kann. Wer glaubt denn wirklich, ein echter Fasnachtsfreund würde sich einen Aufguss von „Mainz bleibt Mainz“, geschweige denn eine aktuelle Sendung ansehen, wenn er selbst Fasnet machen kann. Da machen es sich einige Fasnetmacher zu einfach. Vielmehr sollte man sich selbst mal an die Nase fassen. Was unternehmen die großen alten Zünfte und Vereine heute noch, um die Fasnet im Ort zu halten? Nur mit Kappen- und Zunftabenden ist das Thema „Fastnet“ noch lange nicht abgedeckt. Die „Müllemer Hudeli“ haben dieses Jahr einen tollen Zunftabend hingelegt. Versucht man jedoch am Rosenmontag in Müllheim närrische Aktivitäten zu finden, so ist man trotz einer großen Anzahl an Fasnachtsvereinen gezwungen die Stadt zu verlassen. Aber die Vereine selbst flüchten ja auch aus ihren Orten. Und da liegt meiner Ansicht nach das Hauptproblem. Identifiziert man sich nicht mehr mit seinem Ort und den dortigen Traditionen, so wird mal schnell ein Hexenclique gegründet und der Fasnachtstourismus kann losgehen.

Mitgliederschwund oder ein relativ hohes Durchschnittsalter gibt es vor allem da, wo ein Überangebot an Fasnachtsvereinen herrscht. Und diese sind in den letzten Jahren mancherorts inflationär aus dem Boden geschossen. Vielleicht sollten sich manche Zunftvorstände überlegen, wie ihr Verein wieder attraktiv für junge Narren wird und nicht für alles das Fernsehen verantwortlich machen. Auch eine intensivere Zusammenarbeit der Vereine und mit den örtlichen Gasthöfen kann ein närrische Treiben (wieder) entfachen. Denn Fasnet ist so viel mehr als Narrentreffen und Umzüge.

M. Gfell, Müllheim

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