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Klaus Amann
„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“; im Zusammenhang mit der Preisverleihung der Gutedelgesellschaft an den volkstümlich populären und theologisch hochqualifizierten Karl Kardinal Lehmann am vergangenen Wochenende, ist dieses Zitat aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe ganz gewiss ein Volltreffer. Fasst man Zitatanfang und Zitatschluss umgedreht zusammen, dann wird der Lebenssaft unseres Markgräfler Ländles durch des Meisters Wort geehrt und gewürdigt. Jawohl werte Bild-Zeitung, wir hier im Markgräflerland dürfen seit dem unvergesslichen Festakt im Neuenburger Stadthaus behaupten: Wir alle sind Gutedel!
Wäre der Dienstwagen des Oberhirten aus Mainz mit einer
Anhängerkupplung ausgestattet, dann hätte Karl Kardinal Lehmann
es sich gewiss nicht nehmen lassen, sein Weinfass Jahrgang 2006, mit
einem blumen- und girlandengeschmückten Anhänger, persönlich zum Bistum
Mainz zu kutschieren; so ein Gerücht unbekannter Herkunft. So aber
werden prächtig ausgestattete Gutedel – Fläschli die interessanten
Gesprächsrunden im Bischofssitz begleiten und stützen und den
Preisträger immer wieder an seine Zuneigung zum südbadischen Ländle
erinnern.
Es war eine heitere, denkwürdige und rundum gelungene Veranstaltung zu Ehren des hohen Gastes. Maßgeblichen Anteil am Gelingen hatte Journalistenkollege Christoph Wirtz; er bewies mit seiner Laudatio und seiner Gesprächsleitung erneut eine große Portion an charmanter und sachkundiger Moderatorenqualität. Von Karl Kardinal Lehmann gab es viel Ernsthaftes und Nachdenkenswertes zu den aktuellen Themen aus Kirche und Gesellschaft zu hören, aber es gab auch reichlich Anmerkungen zum Schmunzeln. Der Gutedelpreis sei der letzte Preis, dem Lehmann bisher entgehen konnte, schloss Wirtz die umfassende Auflistung der Titel und Ehrungen, einschließlich des Ordens wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalsvereins.
Karl Lehmann wurde am 16. Mai 1936 in Sigmaringen als Sohn des Volksschullehrers Karl Lehmann und seiner Frau Margarete geboren. Nach seiner Schulzeit in Sigmaringen studierte er zwischen 1956 und 1964 Philosophie und Theologie in Freiburg und Rom. Am 10. Oktober 1963 wurde er in Rom von Julius Kardinal Döpfner zum Priester geweiht. 1962 und 1967 erwarb sich Karl Lehmann die Doktorentitel in Philosophie und Theologie mit Arbeiten über den Philosophen Martin Heidegger und über das Thema „Auferweckt am dritten Tage nach der Schrift“.
Als Assistent von Karl Rahner zwischen 1964 und 1967 arbeitete er an den Universitäten von München und Münster, erlebte aber auch das Zweite Vatikanische Konzil in Rom aus nächster Nähe mit. Mit 32 Jahren (1968) schon wurde er auf den Lehrstuhl für katholische Dogmatik und Theologische Propädeutik in Mainz berufen; drei Jahre später übernahm er in Freiburg/Breisgau die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie.
1983 wurde Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann zum Bischof von Mainz gewählt und ernannt. Am 2. Oktober 1983 empfing er die Bischofsweihe im Mainzer Dom. Er ist der 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem Mainzer Bischofsstuhl. 1987 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt, 1993, 1999 und 2005 in diesem Amt für jeweils weitere sechs Jahre durch Wahl bestätigt. Von 1993 bis 2001 war er außerdem 1. Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenz.
Neben seinen Hauptämtern früher als Theologieprofessor und jetzt als Bischof hat sich Karl Lehmann in vielen anderen Institutionen und Gremien engagiert und tut das weiterhin. 1991 erhielt er den Ehrendoktortitel der Universität Innsbruck und der Katholischen Universität in Washington D.C., 1994 auch der Katholischen Universität Maynooth/Irland, 1997 der Katholisch-Theologischen Akademie Warschau, 2000 an der Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität in Graz, 2002 an der Universität Oppeln und 2004 an der Universität in Iasi in Rumänien. 2000 wurde Bischof Lehmann das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen, 2001 die Ehrenbürgerschaft der Landeshauptstadt Mainz und 2001 der Ehrenring der Görres Gesellschaft. 2004 wurde ihm als erster die „Karl-Rahner-Plakette“ der Deutschen Jesuiten und der Karl-Rahner-Stiftung in München verliehen. Kardinal Lehmann erhielt 2005 den Eugen-Biser-Preis und 2006 den Abraham-Geiger-Preis sowie die Ehrenbürgerwürde der Universität Mainz und er wurde zudem zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion (Légion d‘Honneur) ernannt.
Am 28. Januar 2001 ernannte Papst Johannes Paul II. Bischof Lehmann zum Kardinal. In dieser Funktion nahm er am römischen Konklave im April 2005 teil, aus dem sein Amtsbruder Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. hervorging.
Jawohl, eine ganz große Persönlichkeit der Katholischen Kirche und des öffentlichen Lebens gab dem Markgräflerland und seinem Repräsentanten „Gutedel“ die Ehre. Herzlichen Dank, verehrter und lieber Karl Kardinal Lehmann! Und: Auf Wiedersehen!
Hier hören Sie die Rede von Karl Kardinal Lehmann >>