Fasnacht

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Die nächste Fasnacht kommt bestimmt: Weniger isch viellicht mehr....!

Klaus Amann

Narrentreiben auf Straßen und in Sälen, Büttenreden und Schnitzelbänke in Hülle und Fülle, Guggemusiken mehr denn je und es prasselten auch die Fasnachtsfeuer; Veranstaltungstermine gab es seit dem 11.11 „noch und nöcher“ und weit über den Aschermittwoch hinaus. Die alemannische Fasnacht zwischen Ortenau, Schwarzwald und Hochrhein zeigte sich wieder in Saft und Kraft; das Abbild in der Lokalpresse war gewohnt umfassend und farbenprächtig.

FasnachtDoch wer in diesem Jahr die Ohren spitzte und die Brille justierte, der ortete punktuell den Beginn einer Fasnachtskrise, auch wenn dies Zunftmeister, Maskenträger, Büttenredner und Gardemädchen öffentlich noch vehement bestreiten und dem Kritiker mit dem Hexenbesen winken. Da fiel in Lahr ein traditioneller Narrenumzug aus, da waren in mehreren Orten Südbadens bislang „ausverkaufte“ Prunksitzungen eben nicht mehr „probbevoll“ und manch eine Programmlücke galt es noch hurtig schnell zu füllen.

Die seit Jahren hoch attraktive Narrenschar der „Bogdemollis“ in Bad Bellingen zeigte dem Publikum in diesem Jahr recht kurzfristig und zum Erstaunen vieler die lange Nase. Beide Zunftabende im Kurhaus Bad Bellingen wurden abgesagt. Diesen Entschluss fasste der Bogdemolli - Vorstand nach einer Krisensitzung . Es seien in diesem Jahr zu wenig attraktive Programmpunkte zusammengekommen, ließ Oberzunftmeister Siegfried Muckle verlauten. Nicht ein Ideenmangel habe zu diesem Beschluss geführt, sondern die zu geringe Zahl an Akteuren auf und hinter der Bühne.

Mit diesem Rückgang an talentierten und willigen Akteuren plagen sich viele Zünfte des Markgräflerlandes und nicht nur die Bellinger Fasnachtsschar. Sieht es bei den „Gardemaidli“ und Tanzgruppen allerorts noch brauchbar gut aus, so klaffen spürbar Lücken bei den Vortragskünstlern, bei den Büttenrednern und Schnitzelbänklern. Ob in Istein, Heitersheim und anderswo, auch in Müllheim sind Sorgen dieser Art zu vernehmen.

Der seit 1998 amtierende Müllheimer „Hudeli“ Oberzunftmeister Thomas Detterbeck verweist auf die schwierige Nachwuchssuche. Zwar habe man einen Generationenwechsel gemeistert, das Durchschnittsalter der Hudeli - Akteure liege bei 35 – 40 Jahren, doch Thomas Detterbeck sieht, wie seine Chefkollegen auch, weit und breit auch ein Übermaß an Fasnacht, vor allem im Zusammenhang mit der pausenlosen Fasnacht – und Karnevalsberieselung der Fernsehanstalten. Wo es bei den Funkhäusern an Neuem fehlt, da wird halt eifrig in den reichlich gefüllten Archiven gekramt.

Viele der Narrenvorstände sehen in den professionell inszenierten TV-Sendungen schon lange eine Bedrohung der zwangsläufig einfacher gestrickten Zunftabende in den Dörfern und Gemeinden. Wird die Entwicklung dazu führen, dass die Zünfte künftig vermehrt „uswärtigi“ und bezahlte Büttenprofis für ihre Programme einkaufen? Noch stemmen diese ihre Fasnacht aus eigener Kraft, doch mit getanzten Lückenfüllern, mit der Verballhornung von Schlagerparaden und einer Verlängerung der Guggemusikanteile ist das grundsätzliche Problem der künftigen Programmgestaltung nicht gelöst.

Allerorts sind viele der altgedienten Haudegen nach Jahren und Jahrzehnten der aktiven Narretei in Pension gegangen. Solche Abschiede werden zahlreiche Zünfte noch schmerzhaft erleiden und überstehen müssen. Zum Problem der Nachwuchsfindung kommt auch hinzu, so das Klagelied der Zunftmeister, dass „de junge Lit“ vielfach eine Vorstellung von Fasnachtgaudi mitbringen, die sich vom Traditionskern der alemannischen Fasnacht entfernt.

Der Nachwuchs weiß indes genau, dass aktive und organisierte Narretei in Schwerarbeit ausarten kann und das spontane Gelaechter dann zur Grimasse erstarrt. Denn wahr ist: die zwei Monate währende Fasnachtssaison bricht unter dem Übermaß an Narrentreffen, Zunftabenden und Umzügen schier zusammen. Viele der Akteure erleiden Stress und Überdruss und sie überfordern sich auch, zumal sich die Qualitätsmaßstäbe der Laienschar längst nicht mehr an der eigenen Gemeinde orientieren, sondern am Wettbewerb mit dem Nachbarort und am Qualitätsdruck der professionell inszenierten und finanziell sehr gut ausgestatteten Bildschirmfasnacht.

Das werte Publikum, längst ein Mix aus Alemannen und „Fischköpfen“, bringt in die eigene Dorffasnacht eine Erwartungshaltung mit, die manch einen Laien-Narr vom Bühnenauftritt abschreckt. Landet der Neuling beim ersten Mal keinen mit vielen Lachsalven garnierten Volltreffer, sondern gibt es für seine Premiere nur einen spärlich dosierten Beifall, dann verhindert die Frustration den zweiten Versuch im folgenden Jahr. Wahr ist aber auch, dass weltpolitische Themen und solche aus Deutschland und Baden-Württemberg via TV sehr oft schon „verheizt“ sind und der noch wenig Geübte beim Heimspiel besser die Finger davon lassen sollte.

Die Narrenkritiker an den Tischreihen wiederum erwarten für den Eintrittspreis einen soliden Gegenwert an Unterhaltung und vergessen dabei oft genug, dass „die da oben“ auf der Bühne ehrenamtlich närrisches Vergnügen bereiten.

Nun, was braucht die längst überdehnte alemannische Fasnacht dringend und rechtzeitig, damit sie nicht irgendwann als humorloser Patient „gepflegt“ werden muss? Sie braucht zunächst einmal die klare Reduktion! Die Saisonlänge, die Termine und die Zahl der Ereignisse müssen allerorts auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden. Und auch die Guggemusik - Konzerte taugen nicht als akustisches Ereignis über Wochen und Monate hinweg. Also, wie wäre es zum Beispiel mit dem Verzicht auf den importierten „11.11“ und einer neuen närrischen Genügsamkeit zwischen „Schmutzige Dunnschdig“ und Aschermittwoch“ ? Ein Weniger an Fasnacht isch viellicht mehr......!

(Gegenmeinungen sind ausdrücklich erwünscht und werden als Leserbriefe auch veröffentlicht)

 

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