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Müllheim ist ein attraktiver Ort, der viel zu bieten hat. Deswegen wohne ich ganz gerne hier.
Im Internet lese ich unter Anderem über Müllheim: „Etwa 100 Geschäfte liegen in der Innenstadt, wo das Einkaufen besondere Freude macht.“
Dass das Einkaufen nicht allen so viel Freude macht, merkte ich schnell als ich eine Freundin bei ihrem wöchentlichen Einkauf begleitete. Frau von Osten ist Rollstuhlfahrerin und ist für solche Alltäglichkeiten auf Hilfe angewiesen. Sie hat eine fest abgesteckte Route.
Diese führt im Zick-Zack durch die Innenstadt von Müllheim. Die
ausgesuchte Strecke entbehrt aller Gemütlichkeit und wirkt auf
Außenstehende umständlich, weil so viele Umwege eingebaut sind. Wie
kommt es? Die erste Hürde ist die Fußgängerzone, die tatsächlich nur
für Leute bestimmt ist, die gut zu Fuß sind. Ein normales Schritttempo
ist wegen der Erschütterungen, die das Befahren auf dem
Kopfsteinpflaster auslösen, nicht zu ertragen.
So wichen wir auf den Gehweg der östlichen Allee aus. Sie ist gut frequentiert und die Abgase sorgen nicht fürs Wohlbefinden eines Rollstuhlfahrers.
Die Banken in Müllheim sind gut zu erreichen. Auch die katholische Kirche- aber meine Freundin ist evangelisch… Einige Geschäfte bleiben für sie unerreichbar, denn sie sind nur über Stufen zu erreichen. Sie wartete dann geduldig bis ich ihr das Gewünschte mitbrachte. Später mussten wir dann an der Hauptstrasse entlang gehen. Das sorgte für manche Adrenalinstösse, da die Gehwege einfach zu eng sind und wir auf die Straße ausweichen mussten. Schweißgebadet kamen wir am Klemmbach an. Dort konnten wir entspannt einen netten Umweg nehmen- am Bach entlang, übers Brückle und dann wieder in Richtung Bürgerhaus.
In Hügelheim –im Betreuten Wohnen der Diakonie- treffe ich Frau Stahl und Herrn Strass. Sie sind beide Rollstuhlfahrer und nehmen sich Zeit, um mit mir über ihre Erfahrungen in Müllheim zu sprechen. Sie fühlen sich wohl in Hügelheim, da kann man alles wunderbar erreichen. Trotzdem, manchmal haben sie in Müllheim etwas zu erledigen.
Da es keine behindertengerechten Verkehrsmittel gibt, fährt Herr Strass –wenn die Temperaturen es erlauben mit dem Elektrorollstuhl nach Müllheim. Mit der dicken Bereifung kann er sogar die Fußgängerzone befahren. Im Großen und Ganzen kommt er gut zurecht, nur dass die Autofahrer ihn spät wahrnehmen und was oft recht gefährlich ist.
Frau Stahl will nur nach Müllheim wenn es unbedingt nötig ist. Einfach wegen der schon beschriebenen Hürden.
Beide erinnern sich an die Stadtbegehung mit Rollstuhlfahrern, die vor etwa drei Jahren stattgefunden hat. Man nannte es damals „kleiner Städtetest“. Gemeinsam mit anderen Rollstuhlfahrern, Presseleuten, ,Stadtbaumeister Michael Sattler, einzelne Mitglieder des Gemeinderates und Vertreter der Diakonischen Initiative „unBehindert miteinander leben“ waren sie unterwegs um auf die Gegebenheiten hinzuweisen, wie behindertengerecht Müllheim wirklich ist. Es gibt durchaus öffentliche Gebäude, die sehr gut zugänglich sind, wie zum Beispiel die Mediathek, das Kino, die Post oder das Landratsamt. Doch die Tatsache, dass manche Wege zur Tortour werden können, war den meisten neu.
Man reagierte damals mit Betroffenheit und wollte der Sache nachgehen und sie überprüfen. Augenscheinlich ist seit dem nicht viel passiert. Eigentlich traurig und nicht nachzuvollziehen.
Durch das Bundesgleichstellungsgesetz BGG besteht die gesetzliche Verpflichtung für Barrierefreiheit zu sorgen.
So wäre es doch wünschenswert, wenn auch Gehbehinderte, Leute mit einer Gehhilfe, Eltern mit Kinderwägen (die nicht so gut gefedert sind) und Rollstuhlfahrer die Fußgängerzone beleben könnten.
Ich wünsche mir mit allen die diesbezüglich benachteiligt sind, dass Müllheim bald fortschrittlicher und barrierefrei wird, wie beim neu gestalteten Eingangsbereich des Touristikbüros!
Sabina Dobslaw