Kirche Fasnacht

Sünde, Klerus, Fasnet, Narren Auggen, Bad Bellingen, Bad Krozingen, Badenweiler, Ballrechten-Dottingen, Buggingen, Ebringen, Ehrenkirchen, Eschbach, Hartheim, Heitersheim, Müllheim, Münstertal, Neuenburg, Pfaffenweiler, Schallstadt, Schliengen, Staufen, Sulzburg

zur vorherigen Ausgabe << Ausgabe vom 15. Februar 2007 >> nächste Ausgabe am 01. März 2007

| Home | Impressum | Anzeige aufgeben
Markgraefler Bürgerblattzurückzu Favoriten hinzufügenemail an redaktionDiese Seite ausdrucken

Kirche und Fasnacht: Sind wir alle Sünderlein?

Klaus Amann

In diesen Tagen entdeckt man inmitten des närrischen Publikums auch grau und schwarz gekleidete Vertreter des katholischen und evangelischen Klerus. Wenn die Tänze, Büttenreden und Schnitzelbänke einigermaßen im Rahmen von Sitte und Anstande bleiben, dann zollen sie den Fasnachtsakteuren durchaus den gebührenden Beifall. Allerdings müssen diese Männer und Frauen immer wieder auch derbe Zoten erleiden und reagieren dann mit süß-säuerlichem Gesichtsausdruck, vor allem wenn die humorigen Reime Fehlverhalten und Moralvorstellungen ihrer Kirche aufs Korn nehmen.

So beklagen der evangelische Theologe Traugott Fränkle und sein katholischer Kollege Winfried Maria Höhmann in ihrem Taschenbuch „Fastnacht für Christen“ (1984) beispielsweise: „Zu den übelsten Dingen gehört die Neigung gewisser Männer zum öffentlichen Transvestismus. Sie legen weibliche Sexsymbole an und beginnen einen Striptease, der merkwürdigerweise das Publikum in der Regel zu ohrenbetäubendem Gekreische veranlasst.“

Narri NarroAndererseits nehmen die Bühnenakteure der Fasnacht seit jenem Getöse um die „Dänemark-Karri-katuren“ große Rücksicht auf die religiöse Gefühlswelt der Muslime – bloß kein Ärger mit frommen Menschen aus dem Morgenland, die schnell beleidigt sind und auf Rache sinnen. Unvorstellbar also, dass in einem närrischen Bühnenauftritt oder auf einem Umzugwagen der Straßenfasnacht siebzig verschleierte Jungfrauen – entsprechend der islamischen Paradieserwartung - vergebens auf das erotische Vergnügen mit ihrem gemeinsamen Bräutigam warten, weil dieser seinen Sprengstoffgürtel doch wohl zu nahe an sein „Dingsda“ gepackt hat! Tata-Tata-Tata!

Wie aber steht es mit der traditionell eher Abstand haltenden Beziehung zwischen christlichen Kirchen und der Fasnacht? Da hat sich über die vielen Jahrzehnte einiges grundlegend verändert – man staune über das Foto. Ja, er ist’s – Karl Kardinal Lehmann anno 2005 in Aachen, mittendrin bei der närrischen Ordensverleihung.

Nun, die Geschichte der Fasnachts-Narretei mit all ihren Zutaten wurzelt tief im Christentum des Mittelalters. Vor dem Beginn der Fastenzeit sollten die Ahnen nochmals gründlich essen und trinken dürfen; alles im Rahmen von Gebot und Verbot. Die Obrigkeit, oft genug Wasser predigend und selber dem Weine zugetan, hat niemals akzeptiert, dass ungehemmt „gefressen, gesoffen und gehurt“ wurde, dass ihre Christenmenschen vor Aschermitterwoch grenzenlos „die Sau rausließen“. Also wurde das liederliche Treiben mit Verbot und Strafe immer wieder auch streng sanktioniert.

Den katholischen Priestern und auch den evangelischen Pfarrherren blieben Karneval und Fasnacht insgesamt gesehen immer ein misstrauisch zu beäugendes Gräuel. Auch in der Erzdiözese Freiburg sah der Klerus noch vor mehr als einem halben Jahrhundert das Seelenheil und vor allem die Tugend junger Frauen und Männer durch das alkoholisierte närrische Treiben massiv bedroht. Die Volksmundweisheit: Einmal ist keinmal, zweimal ist wohlgetan und erst beim dritten Mal fängt die Sünde an, das wollte die Kirche als närrische Entschuldigung nicht gelten lassen.

Der Freiburger Erzbischof Karl Fritz (1864 – 1931) ließ 1928 von allen Kanzeln seines Erzbistums daher einen Hirtenbrief verlesen, in welchem er im Umfeld der Fasnacht den sittlichen Niedergang beklagt, die schamlose Kleidung, das niedrige Betragen, die unziemlichen Tänze und die schweren sittlichen Verfehlungen. Es gäbe viele Menschen, die sich für die Narretei an Fasnacht sogar verschulden, obschon es bei der Familie zuhause an allem mangele. Das Johlen und Trinken bis zum frühen Morgen sei ein unverantwortlicher Angriff auf die Nerven und die Gesundheit und mache für die Berufsarbeit am folgenden Tag untauglich. Und weil diese Fasnachtveranstaltungen vor allem am Samstagabend stattfänden, würden Christen zudem den Sonntagsgottesdienst versäumen.

Mit erhobenem Zeigefinger kommentierte Erzbischof Fritz mit Blick auf die sozialpolitische und wirtschaftliche Notzeiten jener Jahre: das Christentum sei keine Freudenmörderin und echte Frömmigkeit bestehe keineswegs in einem traurigen, kopfhängerischen Wesen, doch zu warnen sei vor Geldverschwendung, Unmäßigkeit und sittenwidrigem Betragen – und das nicht nur an Fasnacht.

Auch die nachfolgenden Freiburger Erzbischöfe mahnten ihre Gläubigen immer wieder vor den Gefahren der närrischen Tage und Wochen. Strenge Kanzelworte in Form eines Hirtenbriefes wie anno 1928 aber unterblieben meist. Mit den Jahren und Jahrzehnten entspannte sich die Beziehung von Kirche und Fasnachtsvergnügen. Erzbischof Karl Fritz hätte gewiß der Schlag getroffen, hätte er am Fernsehbildschirm miterleben müssen, wie sein Amtsbruder Karl Kardinal Lehmann 2005 in Aachen den Orden „Wider den tierischen Ernst“ bekommt und mit seiner glänzenden Büttenrede in die Fasnacht –und Karnevalsgeschichte eingeht. Demnächst wird dieser hohe Herr in Neuenburg ja sogar ein 250 Literfass Gutedel der hiesigen Gutedelgesellschaft überreicht bekommen.

Niemals hätte Erzbischof Karl Fritz geduldet, dass Priester bei Fasnachtveranstaltungen inmitten des närrischen Publikums sitzen oder im Münster in Freiburg Narrengottesdienste mit Hästrägern stattfinden. Im Verlauf seiner Amtszeit, am Vorabend des Dritten Reiches, gab es weiß Gott auch in der Erzdiözese Freiburg andere und schwerwiegendere Sorgen als die alemannische Fasnacht.

Viele Fasnachtsjahre sind zwischenzeitlich ins Land gegangen. Der legendäre Papst Johannes XXIII (1881 – 1963) beispielsweise hatte nicht nur das 2. Vatikanische Konzil in Rom einberufen, sondern dieses volkstümliche und fröhliche Oberhaupt der Katholischen Kirche lachte herzlich gerne – sogar über sich selber. Er meinte bei einem diplomatischen Empfang im Vatikan: die Genüsse des Lebens seien nicht nur für Sünder gedacht………!

Na dann: Narri! Narro!

Bild: Bistum Mainz

 

Googlepowered by google

Bürgerblatt Web

Kleinanzeigen für verschiedenes Immobilien und Stellenangebote

Kleinanzeigen

Immobilien

Stellenmarkt

Wichtige Adressen Apotheken Ärzte Telefonnummern Notruf

Apotheken

Ärzte

Telefonnummern

Internetadressen

Vermischtes

Beratungsqualität

Falten weg

Fasnet nord

Fasnet süd

Fußgängerzone

Gastfamilien

Handball

Schwimmkurse

Kreuz beschmiert

Kroz. Rebgeister

Masken in Tunsel

Miss Germany

Lebenshilfe

Sui-Getsu-Dojo

Burefasnet

Unfallversicherung

Zertifizierung

Recht

Das Markgräfler Bürgerblatt stellt sich vor

Redaktion des MBB

Geschichte vom MBB

Termine 2007 (PDF)

Mediadaten des MBB

AGB des MBB

Archiv der bisherigen onlineausgaben

06. September 2007

02. August 2007

26. Juli 2007

12. Juli 2007

28. Juni 2007

14. Juni 2007

24. Mai 2007

10. Mai 2007

26. April 2007

19. April 2007

05. April 2007

22. März 2007

15. März 2007

01. März 2007

15. Februar 2007

26. Januar 2007

18. Januar 2007

14. Dezember 2006

30. November 2006

17. November 2006

10. November 2006

27. Oktober 2006

13. Oktober 2006

29. September 2006

14. September 2006

03. August 2006

21. Juli 2006

07. Juli 2006

23. Juni 2006

09. Juni 2006

26. Mai 2006

12. Mai 2006

24. März 2006

10. März 2006

23. Februar 2006

09. Februar 2006

26. Januar 2006

19. Januar 2006

Archiv 2005

Gemeinden

Auggen

Bad Bellingen

Bad Krozingen

Badenweiler

Ballrechten-Dottingen

Buggingen

Ebringen

Ehrenkirchen

Eschbach

Hartheim

Heitersheim

Müllheim

Münstertal

Neuenburg am Rhein

Pfaffenweiler

Schallstadt

Schliengen

Staufen

Sulzburg


© Texte by Müllheimer Verlags GmbH --- © Konzept, Layout und Programmierung by info-art webdesign freiburg
Surftipps | Parkett ölen | Linoleum | Patientenverfügung | Trip Trap | Baubiologie | Hochkantparkett | Linoleum Fertigparkett | Parla Parkett von Parla | breite Dielen