Weihnachtsbrief

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Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Jahreswechsel 2006/2007 - the same procedure as every year! Ja und nein. Der Ablauf ist in der Tat unverändert. Doch die Perspektiven und damit auch die Wünsche, die wir füreinander haben, sind so unterschiedlich wie die Empfindungen, unter denen wir das alte Jahr verabschieden beziehungsweise ein Neues Jahr beginnen.

Die Probleme der vergangenen Jahre - egal ob real oder „gefühlt“ - haben zwei sehr gegensätzliche Strömungen bewirkt. Einerseits spaltet sich unsere Gesellschaft. Dort wo bislang das soziale Netz ein Auseinanderdriften verhinderte, bilden sich heute Gräben. Wo Leistung und Eigenverantwortung zu Leitbegriffen geworden sind, wollen die „Leistungsträger“ sich bewusst abheben. Scharfe gesellschaftliche Abgrenzungen werden nicht mehr vom Weichzeichner der solidarischen Wärme gerundet.

Am Ende der Konsensgesellschaft teilen Verteilungskämpfe das Land, der Ton wird schriller. Ost gegen West, Arm gegen Reich, Singles gegen Familien, Arbeitslose gegen Arbeitsplatzbesitzer, Eltern gegen Kinderlose, Alt gegen Jung, Tradition gegen Innovation,.... Wer die Gesellschaft aufmerksam beobachtet, kann eine solche Tendenz nicht leugnen.

Deutschland 2006 ein „Sommermärchen“. Dahinter will ich ein großes Fragezeichen setzen, denn alleine der Fußball bescherte uns eine Art Märchen, Fußball, die „schönste Nebensache der Welt“ und als Nebensache empfinden auch einige das Märchen.

Das abgelaufene Jahr zeigt, dass sich die Hoffnungen der Bürger, auf die Durchsetzung grundlegender Reformen nicht erfüllten. Die Meinung eine große Koalition kann das richten, stellt sich als Fehlschluss heraus. Zu arg stehen die Volksparteien sich gegenseitig auf den Füßen.

2006 wurde dem Verbraucher drastisch vor Augen geführt, was es bedeutet wenn Firmen mit monopolistischen Strukturen, sich den Markt aufteilen. Als Beispiel sei die Energiepreisentwicklung genannt. Es läuft immer nach dem gleichen Schema: zunächst setzen die „Großen“ ihre Finanzkraft ein, um den „Kleinen“ aus dem Weg zu räumen. Hat sich dann der Markt nach den Wünschen jener entwickelt, dreht sich der Spieß und der Verbraucher zahlt den zunächst vermeintlichen Vorteil, dann wieder vielfach zurück. Den „Großen“ ist dabei nicht einmal ein Vorwurf zu machen, die nehmen nur ihre Möglichkeiten wahr. Der Verbraucher, die Politik, also wir alle, lassen es zu, lassen uns, wie die Werbung versucht einzutrichtern, vom „geilen Geiz“ und dem „blöden Kaufverhalten“ zu „saugünstigen Angeboten“ verführen.

Noch ein anderer Aspekt: Ist Ihnen auch aufgefallen, je größer die Gewinne der Konzerne, desto mehr Arbeitsplätze vernichten diese in Deutschland, Allianz und Deutsche Bank lassen grüßen. Ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung solcher Firmen (neudeutsch Heuschrecken) und Verlust von Arbeitsplätzen ist durchaus erkennbar.

Der große Nachteil der kapitalistischen Struktur ist, dass alles unter der Prämisse „Geld“ gesehen wird. An erster Stelle steht das Geld – der Mensch und unsere Umwelt werden diesem Diktat untergeordnet. Wohin das führt erleben gerade die Amerikaner, mit dem Irak-Krieg als sie Kapitalinteressen über die Staatsräson stellten. Ebenso beim Umweltschutz, als sie das Kyoto-Protokoll nicht ratifizierten.

Ich glaube, wenn wir es nicht schaffen, den Mensch und die Natur in den Mittelpunkt unseres Tuns und Wirken zu stellen, wird die kommende Entwicklung, diese unsere Gesellschaft in Frage stellen.

Individualität ist eine Triebfeder der Entwicklung der zurückliegenden Jahre. So wichtig Individualität für den einzelnen und auch für die Gesellschaft ist, so wichtig ist es auch, eben diese Individualität in entscheidenden Augenblicken zurück zu stecken und sie einem großen gemeinsamen Ziel unterzuordnen. Wir brauchen Gemeinsamkeit und wir brauchen die Bereitschaft, sich nicht selbst in den Vordergrund zu stellen.

Der Skispringer Jens Weißflog hat mal gesagt: „Man fliegt immer nur so weit, wie man im Kopf schon ist.“ Lassen Sie uns gemeinsam weit voraus in die Zukunft denken und hinein gehen in ein vielleicht großartiges und viel versprechendes Jahr, denn „erstens kommt es anders als man denkt“ und letztlich haben wir immer aus unseren Fehlern gelernt.

MBB TeamIn diesem Sinne wünscht Ihnen das ganze Team des Markgräfler  Bürgerblattes (v.l.n.r: Werner Kleinfelder, Hans Albert Schwartz, Ute Kleinfelder, Reiner Schlebach, Beate Stich, Regina Bayha, Gerhard Jenny, Traudel Ihringer hier auf dem Weihnachtsmarkt in Colmar)

ein frohes Weihnachtsfest und für das Neue Jahr alles Gute.

Bleiben Sie uns gewogen.

Werner Kleinfelder

 

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