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Kirchhofen (rs) - Dort, wo sich die Weinberghänge des Schönbergs hin
ins Schneckental, in die Ebene nach Staufen und Bad Krozingen, ins
Markgräflerland senken, liegt Kirchhofen. Von weitem sichtbar ist sein
Kirchturm, um den herum das Pfarrhaus, stattliche Winzerhöfe,
Herrenhäuser und Gaststätten stehen. Sie legen Zeugnis ab von
wohlhabenden Epochen und bewegter Geschichte. Im noch fast intakten
Wasserschlosse residierte als bekanntester Schlossherr Lazarus von
Schwendi, heute werden hier in der nach ihm benannten Grundschule
Kirchhofens Kinder unterrichtet. Der trockengelegte Wassergraben dient
ab und an als Festplatz. Kirchhofen unterstand von 1738 bis 1805 dem
Kloster St. Blasien. Diese Zeit prägte das Dorf nicht nur wesentlich,
auch der aufrecht stehende Hirsch im heutigen Ortswappen geht auf jene
Zeit zurück.
Innerhalb dieser traditionsreichen Mauern, Straßen und Gassen ist auch heute noch ein reges Dorfleben zu entdecken, so ist neben dem Weinbau das Handwerk im Ort noch sehr aktiv. Metzger, Bäcker, Schumacher und zwölf weitere Berufe sind in der über 300 Jahre alten Zunft „Vereinigte Handwerker von Kirchhofen“ zusammengeschlossen. Sie ist eine der letzten Vereinigung dieser Art in der Region. Ihre 45 Mitglieder treffen sich alljährlich am Josefstag, dem 19. März, nach dem Gottesdienst im Historischen Gasthaus Krone zu ihrer Jahresversammlung. In der Kirche und im historischen Gasthof werden die Zunftfahnen und –truhen aufbewahrt.
Zwei Personen mit ihren Familien hat Kirchhofen mit seinem schönen
Ortskern in besonderer Weise in den Bann gezogen, Weinküfermeister
Franz Herbster in der Salzgasse und den Kunstmaler Helmut Baumgart in
Herrenstraße.
Franz Herbster – Jahrgang 1962 hat nach langjährige, sehr erfolgreicher Tätigkeit in verschiedenen Winzergenossenschaften und Weingütern im In- und Ausland seinen Weg zurück nach Kirchhofen gefunden. Mit der Weinernte 2005 hat er den vor Jahren eingestellten ortsansässigen Weinbaubetrieb seiner Eltern übernommen um ihn als Weingut -Weinküferei Herbster- wieder zum Leben erweckt.
Franz Herbster ist Vollblut Küfer und so ist ein Besuch in seinem mit Ovalfässern gefüllten Bruchsteinkeller ein Erlebnis der besonderen Art. Näher kann Weinbau nicht erlebt werden, der Besucher verkosten direkt vom Fass, erfährt dabei wissenswertes über den Ausbau. Herbster plaudert fundiert, in verständlicher und unterhaltsamer Art über Weine, spricht über die verschiedenen Jahrgänge, tauscht Weingeschichten aus ...
Beeindruckend und spürbar ist seine Verwurzelung in der Tradition! Herbster dreht in seinem Keller bewusst die Zeit einige Jahrzehnte zurück. So sind seine Ganztraubenpressung, Stückfassausbau und teilweise geführte Spontangärung eine Anknüpfung an die 50er Jahre, eine Rückbesinnung an eine Zeit, bevor modernste Technik bestimmend im Weinkeller eingesetzt wurde. Seine angewande Philosophie ist die regionale Typizität herauszuarbeiten, diese Unverwechselbarkeit möchte er allen seinen Weinen mit auf den Weg geben: „Deutscher Wein hat endlich wieder Kultstatus, gerade die Gastronomie kümmert sich in besonderer Weise um die regionalen Gewächse, dass macht Spaß“ sagt Herbster.
Und diese Typizität kann man bei der Verkostung in klarer Weise nachvollziehen: der Gutedel ist nußig und hat einen herrlichen Knack am Gaumen, der Weißburgunder aus der Spitzenlage Kirchhofener Kirchberg strahlt voller Eleganz und der feinherbe Spätburgunder lässt viele internationale Rotweine geradezu im Schatten stehen.
Franz Herbsters Sortiment hat noch viel mehr zu bieten! Dies zu entdecken ist eine Aufgabe die man sich immer Donnerstags von 16 bis 19 Uhr in Ehrenkirchen, Ortsteil Kirchhofen, Salzgasse 6 stellen kann.
Helmut Baumgart ist im St. Elisabeth(-Krankenhaus) in Freiburg geboren, also ein echtes Bobbele, Jahrgang 1935. Nach der Grafikerlehre, dem Studium an der Kunstakademie Freiburg und München, arbeitet er von 1960 bis 1975 als Grafiker in Zürich. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, zunächst in Waldkirch, seit 1981 wohnt und arbeitet Baumgart als freischaffender Maler in der Herrenstraße in Kirchhofen. Wer seine Wohnung betreten darf, möchte sie eigentlich nicht wieder verlassen. Der Eintretende spürt, hier lebt ein Mensch! Faszinierend der Blick aus der verglasten Giebelfront über die Dächer der tiefer liegenden Häuser weit nach Süden, vorbei an der Staufener Burgruine. Helmut Baumgart ist Sammler, vom einfachen Stein bis ... , er weiß es selbst nicht, alles was ihm gefällt. Auffallend neben den selbsterarbeiteten Bildern und den vielen zusammengetragenen Kleinigkeiten sind die beiden Flügel im lichtdurchfluteten, giebelhohen Wohnraum. Der Wohnungseigentümer ist nicht nur ein virtuoser Maler, sondern auch ein „leidenschaftlich der klassischen Musik verfallener“ Pianist, so er über sich selbst, der zu Hauskonzerten einlädt. Die Musik, die Malerei und seine wenigen Skulpturen formen sich zu einem Ganzen, lassen sein Leben, seine Umgebung selbst zum Kunstwerk werden. Die alten Italiener und Holländer sind seine Lehrmeister, die Musik ist der Quell seiner Inspiration zu seinen Bildern.
Helmut Baumgart fühlt sich nicht nur im Mittelmeerraum, sonder vor allem im Markgräflerland zuhause. Ausstellungen hatte und hat er u.a. in Frankreich, der Schweiz, in Deutschland und in Griechenland.
Wie Franz Herbster bei seinen Weinen ist Helmut Baumgart in seinen Arbeiten der klassischen Tradition verbunden, lässt sich nicht auf den schnellwechselnden Zeitgeist ein, sondern fühlt sich der sinnlichen Wahrnehmung verpflichtet.
Helmut Baumgart stellt ab dem 26. November einige seiner Werke bei „küchen designe Dieter Schrader“, Gartenstraße 7 in Bad Krozingen aus.