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Das Biesheimer Museum der Optik bildet im ländlichen Elsass mit
seinen typischen Fachwerkhäusern einen überraschenden Kontrast: ein
großes weißes Gebäude mit viel Glas zieht allen Augen auf sich. In dem
modernen Gebäude werden 250 Exponate aus den letzten drei Jahrhunderten
zur Schau gestellt. Zu bestaunen sind eine Reihe von Geräten der Laser-
und der optischen Messtechnik, Werkzeuge der Astronomie, Nautik und
Mikroskope. Für alle Freaks der optischen, astronomischen und
nautischen Technik ein wahrer Augenschmaus.
Das Museum ist kein staatliches Eigentum, sondern gehört der Stadt Biesheim. Mit besonderem Engagement der Elsässer wird es durch ehrenamtliche Tätigkeit getragen. Die Exponate sind aus einer privaten Sammlung des elsässischen Astrophysikers, Antoine Hirt, der das Museum 1992 gegründet hat. Es ist ein kleines, aber ungewöhnliches Museum, das wöchentlich etwa 100 Begeisterte der Optischen Technik anzieht, denn in den ausgestellten Instrumenten stellt sich nicht nur die wissenschaftliche und technische Evolution der Optik dar, interessanterweise reflektiert jedes Gerät auch den industriellen, sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund seiner Zeitepoche.
Mit einem „Knopf im Ohr“ hat der Museumsbesucher die Möglichkeit,
fachkundige Details zu erfahren. Der Tonbandtext erklärt jedes
Einzelstück in seinem historischen Zusammenhang und ist nicht nur
informativ, sondern macht es auch für den Laien gut zu begreifen.
Wer lieber seine Augen von Fernrohr zu Objektiv schweifen lässt, darf hinter den Vitrinen seltene Exemplare vom Ende des 19. Jahrhunderts bewundern: Große Fernrohre mit Brennweiten zwischen 1,5 und 2 Metern und Objektivöffnungen von 100 bis 150 mm. Ein 160 mm lange Fernrohr ist eine Leihgabe der astronomischen Sternwarte aus Straßburg und eine Attraktion, die im Biesheimer Museum zur Ansicht geboten wird. Besonders nennenswert ist auch ein astronomisches Fernrohr mit der Signatur „Dollond“. Dies ist der Name einer englischen Werkstatt, die die ersten achromatischen Objektive nach 1758 gebaut hat.
Weitere Highlights des Museums sind die Spiegelteleskope nach Gregory, davon eines mit der Signatur „Paris“ von 1749. Kennern der Astronomie fällt neben den klassischen Sonnenuhren aus dem 17. Jahrhundert die „Mittagskanone“ ins Auge. Auch besondere Instrumente zur Zeitmessung sind im Museum zu finden, ein Transitfernrohr und ein „Mauerfernrohr“.
Die Geräte sind aus hochwertigen Materialien hergestellt wie Messing, Silber, Ebenholz und Elfenbein. Jedes Einzelstück ist ein wahres Kunstwerk und allein fürs Auge „ein großes Plaisir“, wie der Elsässer sagen würde.
Für besonders Wissensbegierige hat das Museum aber noch mehr zu bieten: eine Museumsbibliothek. Hier können Laien und Experten zahlreiche Büchern und alte Dokumenten durchwälzen, die sich mit der Astronomie befassen. Zu finden sind sowohl neuere klassische Werke (John Herschel, Tisserand) als auch etwa zehn faszinierende Bücher aus dem 18. Jahrhundert, die sich mit der Zeitmessung und dem Bau von Globen und Sphären befassen. Beim Schmökern in der Bibliothek finden Sie auch ein Werk von Cherubin d‘Orléans aus dem Jahre 1671. Dieses urige Dokument enthält von Hand entworfene Skizzen über die ersten Maschinen für das Linsenschleifen. Originell sind auch seine Zeichnungen über die ersten Mondkarten, die darin zu betrachten sind. Beim weiteren Stöbern stoßen Sie dann vielleicht auf ein altes Werk von 1702, „La connaissance des temps“. Es erläuterte den Astronomen und Seefahrern aus jener Epoche die Gezeiten, die damals von großer Wichtigkeit für sie waren.
Nicht nur für die Techniker und Wissenschaftler unter uns, auch für Kunstliebhaber und allgemein Neugierige lohnt sich ein Blick in das Museum der Optik in Biesheim, denn die Exponate sind eine künstlerische Darbietung und eine aufschlussreiche Führung wird in Deutsch, Französisch und Englisch geboten.
Heike Loesener
Le Musée de l‘Instrumentation
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag: 14-17.30 Uhr;
Donnerstag: 9-12 Uhr;
Samstag/Sonntag: 14-17 Uhr
Informationen:
www.ville-biesheim.fr
Eintrittspreise: 3,- Euro - Erwachsene; 1,50 Euro - Kind. Kinder unter 6 Jahren frei.
Empfang von Gruppen außerhalb der gewöhnlichen Öffnungszeiten unter Reservierung möglich. Führungen in Deutsch, Englisch und Französisch