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Eigentlich gehöre ich zu den Menschen, die noch in einer relativ heilen Welt in einem ziemlich „heilen“ Müllheim leben. Erst durch verschiedene Zeitungen wurde ich auf die Wohncontainer aufmerksam gemacht. Also doch nicht so „heil“?
Klar, jeder weiß, warum keine Bänke mehr vor der Kirche stehen. Wo
sind die? Vielleicht auch bei den Containern? Ich mache mich auf, die
Container zu finden und um die Leute dort kennen zu lernen.
Fernab hinter der Bahnlinie neben dem „Königssaal“ finde ich den kleinen Platz, auf dem fünf Wohncontainer à 12 Quadratmeter nebeneinander stehen. Gegenüber steht ein einzelner. Niemand ist zu sehen, alle Türen sind geschlossen. Auf mein Rufen reagiert niemand. Gerade als ich gehen will, kommt mir ein junger, gepflegter Mann auf dem Fahrrad entgegen.
„Wohnen sie hier“?
„Nein, leider nicht!“
„Wieso leider“? frage ich verwundert.
„Ich bin vom Sozialamt in einem Zimmer mit einem anderen Mann
untergebracht worden. Hier könnte ich wenigstens die Tür hinter mir
zumachen und hätte meine Ruhe.“
Während wir uns unterhalten, kommt doch noch ein junger Mann aus einem Container. Er erzählt, dass er schon seit dem Frühjahr hier wohnt. Besser als nichts. Gerne würde er woanders wohnen, aber er findet nichts. Er liest die Stellenanzeigen in verschiedenen Zeitungen und verbringt viel Zeit mit telefonischen Bewerbungen. Bei einer Zeitarbeitsfirma klappt es ab und zu. Er wirkt auf mich sehr hoffnungslos für seine jungen Jahre.
„Wir haben hier keine Waschmaschine. Im Sanitärhaus (wie er den Container mit der Dusche und den Pissoirs nennt) regnet es stark rein und im Boden sind Löcher. Im Sommer war es so heiß, dass man es in den Zimmern nicht ausgehalten kann.“ Als er die Tür zum Sanitärhaus öffnet, fügt er emotionslos an: „Die von der Stadt haben sich schon
mehrmals angeschaut, dass das alles kaputt ist.“ Warmes Wasser gibt es aber. Auch in seinem Wohnbereich hat er einen Warmwasserboiler und eine eigene Toilette. Ich darf „seinen“ Container anschauen. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass man es im Winter hier warm haben kann. Der Boden gibt bei jedem Schritt nach, die Fensterscheiben sind dünn und unter dem Fenster hängt eine kleine Elektroheizung. Auf dem Zweiplattenherd, der zur Ausstattung gehört, kocht er sich seine Mahlzeiten.
„Mein Nachbar hat‘s nicht so gut: der hat kein Warmwasser und schon lange ersetzt ein Brett die Fensterscheibe.“
Als ich mich verabschiede, gibt er mir den Tipp ,wo ich noch einen von den fünf Bewohnern treffen könnte. Später sitze ich mit ihm vor der Kirche auf einer Stufe und wir unterhalten uns.
„Das Schlimme ist“, meint er „wenn du mal diese Adresse hast, kommst du aus diesem Sumpf nicht mehr raus. Keine Arbeit, keine andere Wohnung. Und wenn du mal krank bist ist, es einfach zu weit zum Arzt, und glaub bloß nicht, der kommt gerne zu einem Hausbesuch.“
Ich denke an die abgesteckten Parzellen, auf denen die anderen Container abgestellt werden sollen. Eine Containersiedlung! Wer wird dann dort wohnen?
Sabina Dobslaw