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(Klaus Amann) Vor rund 45 Jahren verließ diese großartige
Markgräflerin
ihre Heimatgemeinde Schliengen (Mauchen), um als Lepraärztin in Indien,
bei den Ärmsten und Kranken dieser Welt, grundlegende soziale Aufbau – und
medizinische Versorgungsarbeit zu leisten. Elisabeth Vomstein hatte sich
auf eine Annonce der Caritas beworben; ihr mutiges und abenteuerliches
Berufsleben begann damals mit einer langen, anstrengenden Hinreise auf
einem Frachtschiff.
Die rund 1 Milliarde Menschen in Indien gehören zu den „ärmsten Schluckern“ unseres Erdballs. Es gibt in Indien zwar auch eine pittoresk reiche Oberschicht, doch religiös fanatisierte Überzeugungen und traditionellen Denkmuster der Hindus behindern und verhindern bei der Mehrheit „den Blick nach vorne“ in die Moderne. Ein rassistisches Kastenwesen diskriminiert bis heute einen Großteil der Menschen, insbesondere die Frauen.
Die indischen Frauen pflanzen und ernten die Lebensmittel und kochen die Mahlzeiten, aber sie sind die letzten, die essen dürfen. Sie kümmern sich ständig um andere, aber sie selbst stehen in der Fürsorge an hinterster Stelle. Es mangelt an sanitären Anlagen für sauberes Wasser und für die Beseitigung von Abwasser, es mangelt an Elektrizität. Die Menschen leben mit ständiger Krankheit und sterben schon in jungen Jahren. Die Frauen sind von den ständigen Schwangerschaften ausgemergelt und sie leiden an der hohe Sterblichkeit ihrer Kinder.
Die meisten der indischen Frauen haben so gut wie keinen Zugang zu einem gut bezahlten, sicheren Arbeitsplatz und der damit verbundenen, sozialen Absicherung. Millionen dieser Frauen lieben ihre Männer und Kinder und opfern sich für ihre Familien auf, doch alle wirtschaftspolitischen Verbesserungen in Indien haben ihre eigene Lage eher verschlechtert.
Bildungsmangel und Armut sind der soziale Hindergrund für Seuchen und Krankheiten und zwar solche, die man hier in Europa längst überwunden und vergessen hat – die Lepra.
Frau Dr. Vomstein hatte ihre Arbeit im südindischen Settipatty 1961 aufgenommen. Mit ihrer Tatkraft und Willensstärke entstanden aus einer armseligen Behausung ein richtiges Lepra-Krankenhaus mit Außenstationen, sowie Werkstätten und Fortbildungseinrichtungen. Finanziert wird die Station seither vom Deutschen Aussätzigenhilfswerk Würzburg, sowie vom „Hilfswerk Indien Dr. Elisabeth Vomstein Schliengen-Mauchen e.V.“, ein Verein, der immer wieder erstaunlich große Spendensummen sammelt und verbucht und diese dem Lebenswerk der Lepraärztin zukommen lässt.
Wie erfolgreich und gezielt diese Spenden vor Ort ihre medizinische und soziale Wirkung entfalten, davon konnten sich Bürgermeister Werner Bundschuh aus Schliengen in seiner Aufgabe als Vereinsvorsitzender und der katholische Ortsgeistliche Jan Pieper kürzlich beim gleichermaßen anstrengenden wie beeindruckenden Geburtstagsbesuch in Indien überzeugen.
Für ihr erfolgreiches Lebenswerk wurde Dr. Elisabeth Vomstein in Deutschland und auch in Indien im Verlauf der Jahrzehnte mit einer Vielzahl an Ehrungen und Orden ausgezeichnet. Hierzulande bekam sie das Große Bundesverdienstkreuz überreicht; in ihrer Heimatgemeinde ist sie Ehrenbürgerin. In Indien erhielt sie von der Regierung den „National Indian Award for the Welfare of the Handicaped“ und 1996 kürte sie die „International Women’s – Association“ zur „Frau des Jahres“ . Und nun, zu Ihrem 90. Geburtstag überbrachten Bürgermeister Werner Bundschuh und Pfarrer Jan Pieper im Auftrag von Erzbischof Robert Zollitsch die Freiburger „Münstermedaille“.
Die immer noch erstaunlich agile Lepraärztin Dr. Elisabeth Vomstein aus Schliengen wird ihren Lebensabend an der Stätte ihres jahrzehntelangen Wirkens verbringen und sie möchte – wenn der liebe Gott sie heim ruft – auch dort bestattet werden. Die medizinische und organisatorische Nachfolge in „ihrem“ Unternehmen ist geregelt. Und auch die Freunde und Spender im Markgräflerland werden die Unterstützung künftig fortsetzen.
Wer den Kontakt zum Verein „Hilfswerk Indien Dr. Elisabeth Vomstein“ sucht, der bekommt weitere Auskünfte im Rathaus Schliengen.