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Nachbarn - wer sie einst erfunden hat, hat dabei sicherlich nicht an die Gattung der Paragraphenheinis und erbsenzählenden Artgenossen gedacht. Solche, die sich kurz vor Sonnenaufgang still und heimlich an die Grundstücksgrenze schleichen, mit dem Zentimetermaßband und der frisch geschliffenen Heckenschere bewaffnet.
Nein, unter Nachbarn versteht man im Sinne des Erfinders solche Menschen, die sich gegenseitig achten und helfen, die nicht tratschsüchtig und nicht klatschsüchtig sind!
Die Ihren laut bellenden Hund Gassi führen, weil Sie schon seit Stunden der flotten, blonden Frau von gegenüber bei den täglichen Yogaübungen zusehen. Die Ihnen Ihren Mülleimer vor die Tür stellen, weil Sie doch neulich diesen schmerzhaften Bandscheibenvorfall hatten und über 6 Wochen zu Hause herumgelungert sind. Gute Nachbarn helfen! Helfen, wenn das Bier schon am Montag zur Neige geht, die Sahne sauer geworden oder Ihnen die Frau davon gelaufen ist. Dabei hatte sie doch absolut keinen Grund sauer zu sein – Ihre Frau. Die hat ja überhaupt nichts gearbeitet. Ist den ganzen Tag nur auf der Terrasse gelegen und hat geraucht. Eine Zigarette nach der anderen! Dann ist sie mit einem Italiener durchgebrannt! Mit einem Italiener, als ob die in den letzten Monaten nicht schon genug Skandale gehabt haben!
Den Garten hat sie total verwildern lassen, das Gestrüpp hat sich schon über die Grundstücksgrenze hinaus breit gemacht. Da kann man doch wirklich froh sein, dass es den korrekten, zuverlässigen Nachbarn noch gibt. Hilfsbereit, fleißig und gewissenhaft! Der in der Morgenfrühe mit dem Zentimetermaßband und der frisch geschliffenen Heckenschere versucht die gute, deutsche Ordnung wieder herzustellen.
Waltraud Gänßmantel