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Klaus Amann
Für den wahren Ohrenschmaus gehören beide zusammen, nämlich erstklassige Solisten wie beispielweise Anne-Sofie Mutter und erstklassige Streichinstrumente, die ganz gewiss nicht als Massenprodukt aus Fernost stammen, sondern als Einzelanfertigung aus den Händen eines hoch qualifizierten Geigenbaumeisters wie Ralf Schumann aus dem Münstertal. Vor wenigen Jahren hat der mehrfach mit Preisen Ausgezeichnete seine Hamburger Werkstatt ins Münstertal verlegt, in das Gebäude einer ehemaligen Bürstenfabrik.
Ralf Schumanns Spezialität neben dem Geigenbau ist die Akupunktur von Streich- und Zupfinstrumenten, um durch einen solchen „Eingriff“ das Klangbild des Instrumentes zu verbessern. Der Körper eines Streich – und Zupfinstrumentes ist ein hoch komplexes Resonanzgebilde, das sich mit einem kleinen Stöckchen abklopfen lässt. Die akustische Qualität eines Instrumentes hängt zwar in der Bauphase ganz entscheidend von den verwendeten Materialien ab, doch die Erkenntnis ist neu, dass jedes Einzelteil eines Instrumentes einen Einfluss auf den Klang hat, also auch Teile, die normalerweise als technisches oder schmückendes Zubehör angesehen werden, wie beispielsweise Saitenhalter, Wirbel, Griffbrett und Schnecke. Wenn nur eines der genannten Teile nicht auf das ganze Instrument abgestimmt ist, bildet es einen Störfaktor für den Klang.
Zwar gibt es schon elektronische Mess- und Prüftechniken, um eine oder gleich mehrere Tonschwächen in bestimmten Frequenzbereichen nachzuweisen, doch letztendlich sind es die geschulten Ohren des Geigenbaumeisters, der an bestimmten Stellen des Instrumentes die Akupunktur vornimmt. Mit gezielten Einstichen von im Durchmesser weniger als einem Zehntelmillimeter wird der „Sound“ durchaus auch für Laien hörbar verändert und verbessert. Was sich hier rustikal und simpel liest, ist tatsächlich eine sehr zeitaufwendige, geduldige und konzentrierte Feinarbeit.
Was Geigenbaumeister Ralf Schumann da gemeinsam mit einigen Kollegen forscht und praktiziert ist offenbar die Wiederentdeckung einer Handwerkskunst der ganz großen, italienischen Geigenbauer. Schon immer hat man sich über kleinste, kaum sichtbare Löcher in deren Spitzeninstrumenten gewundert, ohne sie lange Zeit weiter einzuordnen können. Dank den Anstrengungen von Geigenbaumeister Ralf Schumann aus dem Münstertal weiß man es nun besser. Dass der eine oder andere Kollege aus der Zunft der Geigenbauer diese Akupunktur von Streich – und Zupfinstrumenten eher misstrauisch beäugt – wen wundert’s. Messungen an der Uni in Hamburg haben gezeigt, dass seine Methode funktioniert. Mehr als 200 Streichinstrumente hat er bislang behandelt und zur großen Freude der Musiker verbessert, darunter auch eine legendäre „Stradivari“.
Foto/ Portrait MDR Leipzig© /Collage Amann