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Die französische Trikolore als Dekoration in Müllheims Schaufenstern
und allerlei freundliche Überraschungen in den Geschäften speziell
für
„d’Nochbere ussem Elsass“; zum ersten Mal feiert das Markgräfler
Städtle am Freitag, den 14. Juli einen „Elsässertag“;
er könnte der Auftakt für eine neue Tradition werden. Seit Jahren
schon nutzen unsere Nachbarn ihren arbeitsfreien Tag auch für eine Einkaufstour
ins Badische. Dieses Mal lädt ein Markgräfler Weinbrunnen zum „Schwätzli
- Treff“, denn die Besucherschar soll nicht den Eindruck bekommen, als
ginge es bei diesem „Elsass-Feschtli“ nur um die Kassenumsätze
der Müllheimer Geschäfte, vielmehr ist die Präsenz der französischen
Trikolore in deren Schaufenstern auch eine respektvolle Hommage an
„d’Nochbere äne am Rhii........“
An diesem Tag zelebriert Frank-reich seinen Nationalfeiertag in Erinnerung an die revolutionäre Stürmung der Pariser Bastille 1789, ein wehrhaftes Symbol der Beendigung der ruinös desolaten Monarchie und der Geburt der französischen Demokratie mit den Postulaten „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Auch in diesem Jahr findet auf der Prachtstrasse Champs Elysées in Paris eine Militärparade statt und in allen Gemeinden Frankreichs wird das Fest mit fröhlichen Bällen und pompösen Feuerwerken gefeiert. Und im Elsass weiß jedes Schulkind, dass der Geburtsort der Nationalhymne Strasbourg heißt und nicht etwa Paris. Der in Strasbourg stationierte französische Offizier Rouget de Lisle komponierte einst das „Kriegslied für die Armee am Rhein“.
Wie gehabt bleibt der 14. Juli im französischen Nationalbewusstsein fest verankert. Zugleich aber bekam dieser Staatsfeiertag über die Jahrzehnte hinweg eine europäische Dimension. Wer sich in der hasserfüllten Beziehungstragik zwischen Frankreich und Deutschland auskennt – dazwischen ja immer eingeklemmt „dr’elsässisch Nochber“ – dem stockt weiterhin der Atem, wenn er sich an den französischen Nationalfeiertag von 1994 erinnert. Damals fuhren auf Einladung des Staatspräsidenten Fran&ccdil;ois Mitterrand deutsche Bundeswehrsoldaten in deutschen Uniformen mit deutschen Panzern gemeinsam mit ihren französischen Kameraden des „EURO-Korps“ durch die Champs-Elysées. Allen Befürchtungen zum Trotz: die Pariser Bevölkerung spendete herzlichen Beifall, obschon damals wie heute die voreilige Sieges-Parade der Hitler-Wehrmacht auf der Champs-Elysées im Zweiten Weltkrieg keineswegs in Vergessenheit geraten ist.
Die nationale Dimension des Festtages ist die eine Seite der Medaille, das lokale, grenzüberschreitende Ereignis in der Region die andere. Dass der französische Nationalfeiertag beim badischen Nachbarn registriert und dargestellt wird, dürfte manch einen Elsässer noch überraschen. Doch auch wir Markgräfler sind als Besucher der großen und kleinen Feiern im Elsass durchaus gerne gesehen. Der Interessent möge jedoch berücksichtigen, dass im Elsass vor allem in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag öffentlich gefeiert wird und weniger am Feiertag selbst.
Bonjour, lebi Nochbere! Im badische Mülle sinner herzlich willkumme....!
Klaus Aman