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Weil der Osterhase im letzten Jahr mit seiner Ich-AG Schiffbruch erlitten hatte, las er immer intensiver den Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung. Und er verfolgte mit Interesse, wie sich die neue Regierung richtig herzte. Natürlich entging ihm nicht, dass sich die Wirtschaftslage langsam besserte. Zuerst waren es aufgeregte Eiderenten, die ihm hinterbrachten, der Fuchs wolle seine Bettfedernfabrik enorm vergrößern und habe deshalb zwei dynamische Jungfüchse zusätzlich fest als Jäger angestellt.
Deshalb fragte der Osterhase die Graugänse. „Wie schaut es denn in eurer Nachrichtenagentur aus?“ Diese schnatterten sofort, dass sie jetzt mehr unterwegs seien, um Neuigkeiten zu sammeln und zu verbreiten. Als der Osterhase dann die füllig gewordene Rötelmaus traf, die auf dem Grundstück eines einfachen Angestellten im öffentlichen Dienst ein sorgenloses Leben führte, fragte er sie, woher ihr Wohlstand komme: „Der Hausherr hat sich einen neuen Wagen gekauft, und ich habe im Winter mehr Futter bekommen!“ Sofort hoppelte der Osterhase zum Bauernhof. Ein älterer Eber, mit dem er ab und zu Monopoli spielte, berichtete: „Neulich haben sie uns sogar Szegediner Gulasch mit Bohnengemüse in den Trog geworfen!“, grunzte dabei laut schmatzend und rollte schweinisch mit den Augen.
Der Osterhase wusste, der allgemeine Konsumanstieg werde auch zu einer erhöhten Nachfrage nach Ostereiern führen. „Klotzen, nicht kleckern!“ hatte er oft gelesen. Deshalb lief er zu der riesigen Hühnerfarm und orderte sofort 10000 Eier, 5 Tage lang vor Ostern jeden Tag 2000 Stück. Und auf dem Rückweg mietete er eine große Lager- und Produktionshalle. Die Bemalung und Verpackung der Eier wollte der Osterhase nämlich nicht mehr unzuverlässigen Händen überlassen. Er bestellte deshalb das neue computergesteuerte Eier-Bearbeitungszentrum „Egg Worker 007“ mit der integrierten Farbspritzanlage „Egg Painter 3000“, in der 666 Meisterwerke der Malerei gespeichert sind. Mit ihr war es beispielsweise möglich, Eier mit opulenten Rubens-Bildern für eine österliche IHK-Vorstandssitzung zu liefern.
Kurz vor dem Fest sagte die Osterhäsin sorgenvoll: „Wir haben kaum Bestellungen!“ Der Osterhase spitzte die Löffel und antwortete: „Warte nur ab, noch ist nicht Karsamstag. Die Leute bestellen doch immer in der letzten Minute. Der Aufschwung wird kommen!“ Am Karsamstagmorgen flüsterte er seiner Frau: „Ich schaue mal, wo die Bestellungen bleiben.“
Aufgeregt suchte die Osterhäsin am Nachmittag ihren Mann, doch niemand hatte ihn gesehen. Erschöpft kam sie zu Hause an, als ein Graureiher am Eingang ihres Baues landete. „Hast du den Osterhasen gesehen?“, fragte sie aufgeregt. „Ihr Gemahl sitzt auf einer Anhöhe, unweit von hier!“, sagte der Reiher gestelzt. Die Häsin war erstaunt: „Was macht mein Mann denn da?“ Der Reiher schob sich die Brille zurecht. „Ich glaube, rhetorische Übungen.“ „Was???“, rief die Häsin. „Ja“, erwiderte der Graureiher, „er deklamiert laut und deutlich: Aufschwung, Aufschwung.“
Sofort rannte die Osterhäsin zu der Anhöhe. Von weitem sah sie ihren Mann, der auf einem großen Stein stand. Sie wollte ihn gerade rufen, als eine mächtige Windböe den Osterhasen ergriff und mit einem Schwung in die Luft trug. Mit weit ausgestreckten Beinen segelte er davon. Und er flog und flog und sah von oben plötzlich seine Lagerhalle, vor ihr eine große Menge von Autos und Menschen. Sie drängten sich um einen vorderen Platz in der Schlange der Wartenden, die in die Halle wollten, um Ostereier zu kaufen. Der Osterhase rief über sein Handy sofort seine Frau an: „Kümmere dich bitte um die Kunden vor der Halle!“ „Ich bin allein! Wo bleibst du denn?“, sagte die Häsin erschrocken. „Kann jetzt nicht, bin im Aufschwung!“, rief der Osterhase in den Hörer und segelte glücklich von dannen.