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Reiner W. Schlebach
Am 17. Juli 1930 ging die mit 3,6 Kilometern noch heute zu den längsten
Seilschwebebahnen zählenden Schauinslandbahn in Betrieb. Als erste
Großkabinen-Seilbahn im Umlaufprinzip war sie eine Weltneuheit. Im
vergangenen Jahr wurde die Freiburger Institution auf den 1.284 Meter hohen
Hausberg Schauinsland 75 Jahre alt, was gebührend gefeiert wurde.
Bereits 1893 hatte Freiburgs Oberbürgermeister Dr. Otto Winterer den Bau einer Bahn auf den Freiburger Hausberg angeregt. Der Berg sollte der Allgemeinheit zur Freude und Erholung erschlossen werden. 1925 nahm das Vorhaben ernsthafte Formen an.
Am 19. Dezember 1928 wurde die „Schauinslandbahn AG“ gegründet, an der die Stadt Freiburg 51 Prozent hielt. Mehrfach wechselten die Besitzverhältnisse bis 1969 die Stadt die restlichen Aktienanteile übernahm. 1982 wurde die Schauinslandbahn in die Freiburger Verkehrs AG (VAG) eingegliedert.
In der Festschrift vom 16. Juli 1930 euphorisch gefeiert, wurde der Seilschwebebahn
der Rang eines Verkehrsmittels von internationaler Bedeutung beigemessen.
Vom 17. Juli 1930 bis zum Umbau 1987 nutzten rund 14 Millionen Fahrgäste
dieses besondere Verkehrsmittel. Der Aufsichtsratsbeschluss vom 13. Juni
1986 brachte die einschneidende Veränderungen: Das technische Denkmal
wurde elektrisch und mechanisch auf den neusten Stand gebracht, die Großkabine
mit Schaffner wich einem schaffnerlosem Kabinensystem.
Seit dem 06. März bis zum 13. April stehen während der routinemäßigen, jährlichen Revision spektakuläre Arbeiten bei der Schauinslandbahn an. Neben den üblichen Wartungsarbeiten wird das älteste der vier jeweils rund 1,96 Kilometer langen Tragseile nach 37 Jahren Aufliegezeit ausgetauscht.
Insgesamt verfügt die Seilbahn über vier Tragseile. Je zwei der 5 Zentimeter starken, aus 116 Einzeldrähten zusammengefügten Trossen, führen von der Tal- zur Mittelstation und von der Mittel- zur Bergstation. An der Mittelstation und in der Bergstation werden die Tragseile jeweils von einem Gewicht von 56 Tonnen auf Spannung gehalten.
Vor mehr als 75 Jahren musste das Verziehen der Trag- und Zugseile mit Pferden vorgenommen werden. Heute bewältigt das eine "kleine" Seilwinde
Um das auszuwechselnde linke Tragseil zwischen Tal- und Mittelstation zu entspannen, werden 8 mit Sandsäcken beschwerte Kabinen (à 2 Tonnen) bis zur Mittelstation gefahren, dadurch das entsprechende Spanngewicht vorsichtig gehoben und fixiert. Nach der Rückkehr der Kabinen in die Talstation kann das zu wechselnde Tragseil aus den Halterungen der Zwischenstützen auf Rollen am Boden herabgelassen und langsam aus der Talstation gezogen werden. Hier wird es in „handliche“ Stücke zum Abtransport zu einem Schrotthändler zersägt.
Das neue, 27 Tonnen schwere Tragseil wird nun in umgekehrter Richtung auf die gleiche Weise bis zur Mittelstation gezogen, am Spanngewicht verankert und in die Halterungen der Zwischenstationen gehoben.
Das neue Tragseil wurde von der Firma Fatzer AG aus Romanshorn (CH) gefertigt und am 13. März mit einem Spezialtransporter an die Talstation geliefert. Da aber die Trommel nicht durch das Güntertaler Tor passte, musste der Schwertransport über den 1.284 Meter hohen Schauinsland fahren.
Die Montagearbeiten selbst werden von fünf Mitarbeitern der Firma Schätti, einem Schweizer Familienunternehmen ausgeführt, das weltweit derartige Montagearbeiten durchführt und von den Mitarbeitern der Schauinslandbahn unterstützt wird.
Damit ist die 3. Tragseilgeneration seit dem 75 Jahre währenden Bestehen der Bahn aufgelegt.
Die Kosten für das neue Seil betragen 80.000 Euro, die Montage kostet 48.000 Euro.
Nach dem Einbau des neuen Tragseiles und dem Verziehen der Tragseile zwischen der Mittel- und der Bergstation um jeweils 9 Meter (alle 8 Jahre notwendig), werden die üblichen Revisionsarbeiten mit der abschließenden Prüfung durch die Aufsichtsbehörde (Landesbergdirektion) durchgeführt.
Das Bergrestaurant der Schauinslandbahn ist bis 24. März geschlossen. An den Sonntagen 26. März, 02. und 09. April verkehrt zwischen dem Parkplatz Friedrichshof und der Bergstation von 09 bis 17 Uhr ersatzweise ein Bus.
Weitere Infos unter Telefon 0761 – 29 29 30 oder www.bergwelt-schauinsland.de (mit Wetterbild)