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Klaus Amann
Die südbadische Saalfasnacht erlebt an diesem Wochenende mit mehrstündigen Unterhaltungsprogrammen ihren gewohnten Höhepunkt. Geboten wird landauf und landab ein bunter Mix aus welt – und lokalpolitischer Büttenrede, garniert mit Tanzeinlage und rustikalem Ulk. Manch einem Auftritt täte eine Kürzung gut und ob es dramaturgisch Sinn macht, auf den Zuruf „Zugabe“ zu reagieren, sei dahin gestellt. Jedenfalls, wenn das Programm Mitternacht erreicht oder gar überschreitet, dann wird es vielen Gästen des Närrischen auch zuviel.
Bei der Beurteilung der Programme und ihrer Vortragskünstler kommt es auf die Maßstäbe an. Die Bühnenakteure der schwäbisch-alemannischen Zünfte und Cliquen sind keine Profis, sondern sie bieten närrisches Laientheater, mag auch der eine oder die andere eine herausragende Qualitätsstufe erreichen.
Und schon gar nicht dürfen Fernsehshows vom Kaliber wie „Mainz wie es singt und lacht“ als Vergleich herangezogen werden, denn gerade dort werden bezahlte Showtalente in langer Vorarbeit gesucht und herausgefiltert.
Allerdings gilt auch für unser närrisches Ländle, dass es für den Erfolg auf die richtige Mischung ankommt, auf die Portion gerechte Dosierung von großer und kleiner Politik, von Show und Klamauk. Ein närrisch erwartungsvolles und auch verwöhntes Hallen-Publikum zum Lachen zu bringen - das ist wahrlich ein Kunststück.
Während die Bühnenakteure an ihrem Selbstgereimten noch schnitzen und feilen, haben die ersten Büttenredner ihren Auftritt schon hinter sich. Die Vorarbeiten für die Büttenreden und Schnitzelbänke laufen oft genug übers ganze Jahr, da werden Ideen geboren, gesammelt und wieder verworfen, da werden welche auf Zettel notiert, doch spätestens beim Jahreswechsel müssen die Verse Form annehmen. Eine Büttenrede auf den letzten Drücker schreiben, das klappt selten.
Wie erwähnt, das närrische Publikum vergisst manchmal, dass es sich bei den Büttenrednern nicht um bezahlte Profis handelt, sondern um Laienkünstler aus dem eigenen Ort, die sich seit Monaten für den fröhlichen Auftritt vorbereitet haben. Leider setzen sich viele Bühnenakteure selbst über Gebühr unter Druck, indem sie glauben, sie müssten Jahr um Jahr Steigerungsraten ihrer Verskunst vorführen.
Die Vortragskünstler überlegen meist sehr genau das Maß und das Ziel ihrer spöttisch-derben Kopfnüsse, denn keine Misstöne soll die närrische Stimmung „ernstlich“ stören dürfen. Wie gewohnt bekommen Bürgermeister und Gemeinderäte „ihr Fett ab“. Anzutreffen ist allerorts derbe Alemannenkost, die Frau als „dumme Kuh“, der Mann als Schlappschwanz. Längst darf man sanktionsfrei auch die Katholische Kirche „rupfen“, wobei die Missstände und Ereignissein der islamischen Welt dieses Jahr mit einer erstaunlichen Rücksichtnahme als Tabu verschwiegen werden. Warum eigentlich? Auch ohne Allah und Mohammed zu beleidigen, haben wir Fasnächtler das Recht und die Pflicht die Missstände in diesem Kulturkreis im närrischen Tonfall anzuklagen.
Darüber haben Büttenredner und Schnitzelbänkler nach der Fasnachtssaison 2006 gründlich nachzudenken. Und wünschenswert auch dies: ein frommer Moslem wagt sich in die Bütt und liest uns kirchenfernen, südbadischenHeidenkindern mal kräftig die Leviten.
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