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Die fünfte Jahreszeit naht

FasnetDer Countdown läuft. Dann werden allerorts wieder die Rathäuser gestürmt, die „Obrigkeit“ wird abgesetzt, die bestehende Ordnung zumindest teilweise aufgehoben – kurz: die fünfte Jahreszeit ist angebrochen und es regieren die Narren. Während die Profis in Sachen Fasnet schon seit Jahresbeginn unterwegs sind, beginnt sie für das gemeine Fußvolk eigentlich erst am „Schmutzige Dunschtig“ und endet am Aschermittwoch mit Beginn der Fastenzeit.

Und die Fastenzeit steht auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ursprung der Fasnet, wenngleich nach wie vor oft die Meinung vorherrscht, sie entstamme heidnischen Dämonen- bzw. Winteraustreibungsritualen. Tatsächlich hat die Fasnet ihren Ausgangspunkt aus dem christlichen Jahreslauf. Der Fransizkaner von Kaysersberg schreibt: „Jetzt ist die Fasnacht, eine Zeit zum Fröhlichsein“. Die Kirche erlaubte also Wolllustbarkeit und Ausgelassenheit, „damit ihre geistlichen Kinder desto williger seyn, die heilige Fasten zu halten“. Man durfte also noch mal richtig Dampf ablassen, wobei die Vorbereitungszeit auf das Fasten – also die Fasnet – mancherorts solche auschweifende Formen annahm, dass sie teilweise sogar verboten wurde.

Auch heute scheiden sich die Geister über Sinn und Unsinn der Fasnet. Während sie die Fasnet-Aktivisten und deren Anhänger als die schönste Zeit des Jahres bezeichnen, nehmen die Fasnetablehner schon Reißaus, wenn sie von Weitem einen „Häs“- oder Maskenträger sichten oder ein „Narri-Narro“-Ruf an ihre Ohren dringt. Oder man entzieht sich gleich ganz dem „kollektiv“ verordneten Frohsinn“, indem man in Urlaub in andere Gefilde flüchtet.

Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass man der Faszination „Fasnacht“ nach wie vor erliegen kann. Es liegt sicherlich in der Natur des Menschen, sich zu vermummen, zu verkleiden, unter der Maske sein wahres Gesicht zu zeigen, aus sich herauszutreten, wenn manche Schranken und Tabus aufgehoben sind. Und macht es nicht etwa Spaß, der Obrigkeit auf hurmoristische Weise die Leviten zu verlesen zur allgemeinen Belustigung? Aber sicher doch! Wenngleich die Geschmäcker natürlich verschieden sind. Hauen sich die einen bei „umso derber“ auf die Schenkel, hört da bei anderen der Spaß auf.

Auch die Bedeutung des Gruppenerlebnisses ist an Fasnet nicht zu unterschätzen. Allerdings haben sich durch den verstärkt einsetzenden Trend hin zur organisierten Saal- bzw. Vereinsfastnacht auch viele Bräuche in den letzten Jahren verloren. Hatte fast jedes Dorf früher seinen eigenen Fasnachtsumzug, so konzentriert sich dies immer mehr auf die Hochburgen mit Massenkundgebungs-Charakter mit dem Verlust vom aktiven zum passiven Mitmachen am Straßenrand. Ebenso ist die Straßen- bzw. Wirtschaftsfasnacht vielerorts ganz verschwunden – viele Dörfer sind sozusagen narrenfrei. Das Verkleiden und durch die Häuser und Wirtschaften ziehen, um zu „schnurre und schneige“ – was insbesondere auch ärmeren Bevölkerungsschichten die Möglichkeit bot, sich satt zu essen und sich billig bzw. umsonst durchzutrinken – hat sich auch nur noch dort erhalten, wo dies ausdrücklich gefördert wird.

Dies ist wahrscheinlich auch Ausdruck unserer Wohlstandsgesellschaft. Verkleidet zogen die Kinder durchs Dorf und um die Häuser, um zusätzliches Taschengeld zu schnorren, oder bewegten den Bäcker mit Sprüchen wie „Giezig, giezig, giezig isch de Bäck – und wenn de Bäck nit giezig wär, dann gäb er uns ä Weckle her“ zur Herausgabe von Süßigkeiten oder Backwaren. Das hat heutzutage keiner mehr nötig.

Und wo gibt es noch Kappenabende oder geschlossene Gesellschaften in den Wirtschaften mit „Frauenrecht“? Der Verlust dieser Bräuche ist vielleicht zu beklagen, aber der Spaß hört da auf, wo unter dem Deckmantel von Fasnacht Veranstaltungen durchgeführt werden, die einzig nur noch dem Kommerz dienen. Gemeint sind insbesonders jene für den „Narrensome“ bzw. für die jüngere Generation, wo Kommunikation schon an der phonstarken, ohrenbetäubenden Dauerbeschallung und spätestens am Verlust des Sprachzentrums infolge von organisierter „Massenabfüllung“ scheitert. Dies hat mit Fasnet nur wenig zu tun und mittlerweile sind Veranstalter in puncto Jugendschutz und Verabreichung von Alkohol und insbesondere Alcopops und deren Missbrauch auch sensibilisiert worden.

Dieses Unwesen der jüngsten Vergangenheit hat dem Fasnetbrauchtum bestimmt geschadet und einsichtige Fasnetanhänger können unter diesem Gesichtspunkt wohl auch Verständnis für Anti-Fasnachtsaktivisten aufbringen. An Fasnacht werden die normalen Verhältnisse für eine kurze Zeit auf den Kopf gestellt; sie hat durchaus Ventilfunktion, dem „grauen“ Alltag zu entfliehen. Und selbst wenn Liedgut wie „Heute blau und morgen blau“ zu unvernünftigen Feiern auffordert, so bleibt es doch jedem selbst überlassen, ob er „Hirn und Verstand“ beim „kollektiven Abfeiern“ ausschalten will oder nicht. Narri-Narro

Was halten Sie von Fasnacht? Oder kennen Sie noch alte Fastnachtssprüche aus Ihrer Kindheit? Dann schreiben Sie uns.

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