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(ead) Mehr als noch vor einigen Jahren engagieren sich heute zahlreiche Menschen in Vereinen. Ob im Sport-, Schützen-, Karnevals- oder Heimatverein, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Und so hat in den vergangenen Jahren ein vermeintlich „typisch deutsches“ Phänomen angeblich stark um sich gegriffen: die „Vereinsmeierei“.
Kritiker sehen mit Blick auf die ausgedehnte Vereinsliebe - die freilich nicht nur den Deutschen nachgesagt wird - schwarz: keine gemeinsamen Abende mehr mit Ehefrau und Familie. Stattdessen wird trainiert, getagt, geprobt oder gefeiert.
Die Wochenenden gehören natürlich auch dem Verein, denn wann hat man schließlich sonst Zeit, Punktspiele gegen die Konkurrenz- Kicker aus dem Nachbarort auszutragen, um sich wenigstens diesmal an die Tabellenspitze zu bringen? Vorausgesetzt, man zieht es nicht vor, die aktive Beinarbeit vor dem Fernsehschirm beträchtlich zu reduzieren.
Mit Sicherheit nimmt Vereinstätigkeit und die ernsthaft im Verein betriebene Lieblingssportart sehr viel Zeit - eigentlich freie Zeit - in Anspruch. Aber: Stimmt es wirklich, dass die verschiedenen Sitzungen, Vorstandsabende, Jubiläums- und Meisterschaftsfeiern ganze Familien regelrecht zerrütten?
Von einer wahren Konkurrenz zur Familie ist vielfach schon die Rede. Bestimmt wird es auch Familien geben., in denen der Hang zum Vereinsleben gegenüber dem harmonischen Zusammenleben im häuslichen Kreis übertrieben wird, aber ist das die Regel?
Wenn Vater keine Zeit hat, die Schularbeiten der lieben Kleinen durchzusehen, schlechte Noten nur noch im Vorübergehen mit wenig Interesse wahrgenommen werden, weil ja in der Vorstandssitzung, die schon in zehn Minuten beginnt, wichtige Entscheidungen anstehen, ist das sicher ein Alarmsignal.
Kommt dann vielleicht noch hinzu, dass Mutter berufstätig ist, und dass sich abends regelmäßig die Kegelschwestern zu Besuch ansagen, so ist auch leicht nachvollziehbar, dass Kinder sich schnell vernachlässigt vorkommen müssen und sich auf Grund der mangelnden Kommunikation oft zwangsläufig noch weitere Probleme ergeben.
Die anfänglich oftmals übersehenen Warnzeichen, die mit vordergründigen Entschuldigungen wie „Das Kind ist eben in einem schwierigen Alter - das gibt sich von allein wieder!“ beiseite geschoben werden, wachsen sich nicht selten zu richtigen Problemen aus. Experten malen das düstere Bild von den Ursachen der Jugendkriminalität, die ihre Ursprünge oft in vermeintlich so harmlosen Gegebenheiten wie der Vernachlässigung durch die Eltern haben soll.
Aber muss es soweit kommen? Sind daran wirklich die Vereine schuld? - Die Vereine an sich wohl nicht, aber es ist mit ihnen wohl gleich wie mit allen Dingen, die den Menschen Spaß machen: werden sie im Übermaß betrieben, so sind „Nebenwirkungen” zu befürchten.
Ein Ansatz zur Lösung könnten die neuen Strukturen zahlreicher Vereine sein: ein Allround-Angebot für die ganze Familie wird propagiert, damit Papa die Familie nicht zu Hause lässt, wenn beim Verein „etwas läuft”. Vielmehr wird ein Teil des familiären Lebens in einen anderen Bereich - den Verein verlagert.
Dass dieses Modell nicht zum Scheiter verurteilt sein muss, zeigen jüngste Beispiele: seitdem alle Mitglieder der Familie im Verein in irgendeiner Weise aktiv sind, klappt’s auch mit der Verständigung im privaten und häuslichen Bereich oft fas wie von selbst wieder viel besser.
Frank Kalff