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(Klaus Amann) Vor 100 Jahren hatte der Schwarzwälder Gastronom und
Landwirt Robert Winterhalder aus der Gemeinde Schollach eine geniale Idee
für seine
Hausgäste im eigenen „Kurhaus Schneckenhof“: ein Lift
für Schneeschuh –
und Rodelfahrer!
Nicht länger mussten Touristen und Besucher im Schnee mühselig bergauf stapfen, um dann ihren Spaß talwärts zu finden; sie konnten sich nunmehr durch ein mit Wasserkraft angetriebenes Endlosdrahtseil bergwärts ziehen lassen.
Diese Skiliftkonstruktion, erdacht und erbaut in den Jahren 1906 –
1908 bestand aus 5 Holzmasten. Die Bergstation lag 280 Meter vom Antriebssystem
des Skilifts entfernt, einer durch Wasserkraft gesteuerten Getreidemühle.
Der Höhenunterschied zwischen „Berg“ und
„Tal“ betrug 32 Meter. Vielerlei technische Tüfteleien waren
notwendig, damit dieser Lift auch wirklich funktionierte. Der Antrieb wurde
durch die jeweilige Belastung des Endlosseiles gesteuert, damit das Schlepp-Tempo
für die Ski- und Rodelfahrer bergwärts gleich mäßig bleiben
konnte.
Vor rund drei Jahrzehnten berichtete Hermann Müller in einer SWF-Fernsehsendung, wie er als junger „Skiliftwart“ die Anlage mitbetreute. Sie habe gut funktioniert, doch war man ganz und gar von der Wasserkraft abhängig. Fehlte der Wasserdruck, dann war der Schleppvorgang zur Bergstation so langsam wie ein Spaziergang zur Sommerzeit. Immer hätte es etwas zu tüfteln und zu reparieren gegeben, wenn beispielsweise Holzmasten anfaulten und ausgetauscht werden mussten.
Dieser erste Ski – und Rodellift des Robert Winterhalder war weit und breit eine Sensation. In den Tourismusanzeigen, etwa in der Zeitschrift „Badner-Land“ stand zu lesen „Aufzugsbahn für Rodler und Skifahrer – ein köstliches Vergnügen!“, das dem Kurhotel „Schneckenhof“ gewiss manch eine Reichsmark zusätzlich in die Tageskasse brachte.
Auf Anraten eines Freundes ließ Robert Winterhalder seine Skiliftkonstruktion in vielen Ländern Europas patentieren. Doch was nutzten die Patente, als 1914 das Völkermorden des Ersten Weltkriegs begann und das deutsche Militär Rohstoff-Sammelaktionen anordnete; zum Beispiel Kirchenglocken und eben auch das 560 Meter lange Drahtseil des Skiliftes? Zudem blieben im Verlauf der Kriegsjahre die Touristen aus, die zu Kaiserzeiten mit Sonderzügen aus dem Ruhrgebiet auch das abgelegne Schollach im Schwarzwald erreicht hatten und sich an frischer Milch, klarer Luft, und kräftigem Essen erfreuen.
Das Kurhaus „Schneckenhof“ war für viele Jahre eine sehr gute Anschrift für Urlauber. Es gab frühzeitig Toiletten im Haus und „fließend warmes Wasser“, es gab eine Zentralheizung und einen eigenen Fuhrpark, zunächst mit Pferdekutschen, später mit einer 6-sitzigen Limousine, um die Hausgäste zu den Bahnhöfen zu bringen. Und Robert Winterhalder bot seinen Gästen auch vielerlei Unterhaltung, zum Beispiel mit einem mächtig großen und lautstarken Grammophon.
Wahr ist aber auch, dass der tüchtige, über den Kirchturm von Schollach weit hinausblickende Unternehmer zeitlebens auch von Neid und Missgunst umgeben war. Möglicherweise steht das Ende seines Skilifts in Schollach auch in einem Zusammenhang mit einem Behördenstreit, denn sein Plan, der Bau eines Skilifts am Feldberg scheiterte mit Begründungen, die man auch heute im Zusammenhang mit Windrädern hört: ein Skilift verschandle die Landschaft!
Immerhin, Robert Winterhalter konnte 1910 noch einen mit elektrischen Motoren ausgestatteten Skilift auf der Gemarkung Triberg einrichten, mit einer Länge von 500 Meter und einem Höhenunterschied von 90 Metern. Für diese kühne Tat zum Wohle des Schwarzwaldtourismus bekam er vom Badischen Großherzog eine besondere Auszeichnung überreicht.
Hätten diese beiden Liftkonstruktionen, von denen ja alle Pläne und Berechnungen noch komplett vorliegen, die beiden Weltkriege überlebt, dann wären diese Anlagen höchst attraktive Technik-Denkmäler. Die Weltpremiere eines Ski – und Rodelliftes auf der Gemarkung Schollach, erdacht und erbaut vor 100 Jahren ist nicht vergessen und schon seit rund 20 Jahren gibt es Überlegungen für eine Rekonstruktion derselben. Dies würde eine Investition von mehr als hunderttausend Euro erfordern und zudem ein Zusammenwirken von Gemeinde, von Behörden, von Sponsoren und dem Familienbetrieb „Schneckenhof“. Ob es eine solche Rekonstruktion jemals geben wird, ist derzeit völlig offen.