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Ein Weihnachtsmann, der überzeugt

satireVon Klaus Britting

„Das macht doch keinen Sinn, wenn du immer wieder schreibst. Die nehmen keinen mehr mit 45, das sagt auch das Arbeitsamt.“ „Irgendwann wird es schon mal klappen, ich geb’s nicht auf“, widersprach Arnold seiner Frau Karin und betrachtete die ausgeschnittenen Stellenanzeigen. Gut, wenn er keinen Job mehr im Vertrieb fand, dann vielleicht anderswo. Er warf noch einen Blick auf die Kleinanzeigen und entdeckte eine, in der ein Weihnachtsmann gesucht wurde. Warum eigentlich nicht, sagte sich Arnold und griff gleich zum Telefon. Ein paar Euro konnte er immer gebrauchen.

„Schön, dass Sie anrufen, wir dachten schon, niemanden mehr zu bekommen“, sagte die Dame am Telefon. „Diejenigen, die uns vom Arbeitsamt genannt wurden, haben alle abgesagt, denen war die Aufgabe wohl zu schwierig!“ „Welche Aufgabe?“, fragte Arnold. „Nun, wir stellen uns vor, dass der Weihnachtsmann bei der Weihnachtsfeier eine Rede hält, die der Chef geschrieben hat. Aber der Chef möchte natürlich nicht selbst auftreten, Sie verstehen?“ Arnold verstand und fragte: „Und wo liegt die besondere Schwierigkeit, ist der Text so kompliziert?“ „Nein nein“, lächelte die Dame ins Telefon, „der Weihnachtsmann muss nur sehr überzeugend wirken, darf also nicht nur monoton ablesen. Trauen Sie sich das zu?“ Arnold dachte an seine berufliche Erfahrung und sagte sofort: „Ja, doch, aber ich habe kein Nikolausgewand!“ „Das besorgen wir“, sagte die Dame. Arnold fuhr gleich zu der Firma, sprach mit der netten Dame und dem Chef und nahm den Text der Rede mit.

„Was liest du denn da so intensiv?“, fragte Karin am nächsten Tag. „Ich werde morgen in einer Firma den Weihnachtsmann spielen.“ „Den Weihnachtsmann???“, rief Karin überrascht. „Was soll denn das?“ „Nun, immerhin bekomme ich 100 Euro und kann den Kindern nun doch schönere Geschenke machen. Außerdem bin ich wieder mal in der Arbeitswelt.“ „Und dafür sitzt du den ganzen Tag hier und musst dann auch noch in diese Firma fahren?“ „Wer nichts tut, kommt zu nichts …“, sagte Arnold nur, und plötzlich sah er seinen Auftritt als ganz große Chance.

Etwas nervös war Arnold schon, als er Tags darauf zu der Firma fuhr. Dort zog er im Sekretariat das Nikolausgewand an und ging dann mit der netten Dame zur Weihnachtsfeier. Der Saal war prallvoll, Arnold begab sich zu dem Stehpult und begann ohne Manuskript zu reden: „Es war einmal ein arbeitsloser Vertriebsmann, der seit 4 Monaten vergeblich einen Job suchte. In einer Anzeige suchte man einen Weihnachtsmann …“ Der Chef des Unternehmens schaute völlig irritiert zu Arnold, doch der sprach weiter: „… und er bewarb sich. Denn er wollte einfach nicht aufgeben und auch die kleinste Chance nutzen. Und wenn er daran dachte, wie glücklich all diejenigen sein konnten, die täglich zur Arbeit fahren und dort Ideen entfalten oder zu einer sinnvollen Produktion beitragen durften, wurde ihm warm ums Herz. Er freute sich schon auf den Tag, an dem er für sein neues Unternehmen endlich wieder verkaufen durfte, egal wie lang die Arbeitszeit auch wäre …“ Arnold steigerte sich in einen wahren Motivationsrausch. Immer mehr Mitarbeiter nickten mit dem Kopf. Als er, sichtlich erschöpft, fertig war, erhielt er stärker werdenden Applaus, obwohl er keine Geschenke verteilen konnte.

Arnold verließ die Weihnachtsfeier, zog sich um, hörte sich Lob von der netten Dame an, kassierte sein Honorar und fuhr heim. Beim Frühstück am Morgen klingelte das Telefon. Wie immer lief Arnold sofort zum Apparat. Es war der Chef der Firma, in der er gestern war: „So war das eigentlich nicht geplant. Ganz schön mutig von Ihnen, Ihre Rede! Merkwürdig, als ich hier soeben ankam, war der Firmenparkplatz schon fast vollständig belegt. Habe ich noch nie erlebt! Sagen Sie mal, bei uns ist im Vertrieb zufällig eine interessante Stelle frei geworden …“

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