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Wer derzeit am Schwanenweiher in Badenweiler vorbeigeht stellt fest, dass
die Enten besonders laut schnattern. Ein Grund dafür ist, dass sie
etwas zum Fressen erbetteln wollen. Ein weiterer ist, dass Enten nicht
lesen können. Sonst wüssten sie, was auf den Schildern steht,
die kürzlich rund um den Weiher angebracht worden: Bitte nicht füttern!
Daran müssen sich Enten, Schwäne und tierliebe Spaziergänger
erst gewöhnen. Den Menschen scheint das leichter zu fallen, wie ein
Blick in den Papierkorb belegt: in ihm finden sich jede Menge Tüten
mit Brot, Salat und Küchenresten.
Schon immer gehörte es zum Vergnügen von Kindern und Erwachsenen, das Geflügel im Schwanenweiher zu füttern. Doch dies hat den Tieren wie auch dem Wasser nicht gut getan, wie Eugen Reinwald, technischer Betriebsleiter bei der Badenweiler Thermen und Touristik BTT und Harald Schwanz, Gartenmeister und Leiter der Kurgärtnerei, erklären. Der Weiher drohte ökologisch umzukippen, da die Unmengen an Brot, Salat und Speiseabfällen von den Tieren gar nicht gefressen werden konnten und deshalb nach unten sanken, wo sie bald zu faulen und zu schimmeln anfingen. Ganze Brotlaibe seien da hinein geworfen worden, berichten die beiden, gefunden wurden auch Leberwurstbrote und jede Menge Essensreste. Die lagerten sich als Schlamm auf dem Weiherboden ab.
Eine Folge dieser Überfütterung ist, dass der Weiher kürzlich erst aufwändig saniert werden musste. Das letzte Mal ist dies vor 20 Jahren geschehen. Bis zu einem halben Meter dick sei die Schlammschicht gewesen, die ausgebaggert werden musste. Schlamm, der als Sondermüll entsorgt werden musste, was zusätzliche Kosten verursachte. Zuvor mussten auch die Fische, Goldfische und Karpfen, abgefischt werden. Man informierte sich zunächst beim Badischen Fischereiverband, wie dies zu bewerkstelligen sei. Und erhielt Hilfe. Die aufwändige Arbeit, wurde ehrenamtlich den von Angelsportvereinen Neuenburg und Staufen übernommen. Karpfen, so hat es das Landratsamt verfügt, durften nach der Sanierung nicht mehr eingesetzt werden. Doch es sind schon wieder welche drin. Denn die Natur hält sich nicht an Verordnungen. Mit dem Laich der Goldfische, die überwinterten, wurde auch Karpfenlaich eingeschleppt. Und auch Wildenten haben manchmal Karpfenlaich im Reisegepäck.
Ein weiteres Problem, dass durch die Überfütterung entstanden ist, war, dass dadurch Ratten angelockt wurden. Die fingen nicht nur an, die Uferböschung zu untergraben, sodass die Gefahr bestand, dass der Weiher undicht werden konnte. Bei der Sanierung wurden die Teichränder nun mit Folien abgedeckt, sodass Ratten künftig keine Chance mehr haben. Die Ratten haben auch zwei junge Schwäne auf dem Gewissen, über die sie in Scharen hergefallen waren. Und auch zahlreiche Gelege fielen ihnen zum Opfer.
Um die Ernährung der Wasservögel muss man sich übrigens keine Sorgen machen. Die erhalten in unregelmäßigen Abständen artgerechtes Futter: Körnerfutter für Geflügel und, vor allem im Winter, Salat. „Entenvater“ Herbert Ruh aus Oberweiler, der die Tiere auch pflegt, wenn sie einmal krank sind, hat sich ehrenamtlich dieser Aufgabe angenommen.
Wobei es In Zeiten nahezu panischer Angst vor der Vogelgrippe ein eher ungewöhnliches Bild ist, dass sich auf dem Schwanenweiher Scharen von Enten tummeln. Dazu noch zwei schwarze Schwäne. Bis zu 80 Enten werden zeitweise gezählt, vor allem zu Zeiten der Vogelzüge in den Süden.
Die dichte Bevölkerung des Teiches im Kurpark ist mit ein Grund dafür, dass die Vögel nicht weggesperrt werden müssen, wie die kürzlich erlassene Aufstallungsverordnung den privaten und gewerblichen Geflügelhaltern vorschreibt. Denn es handelt sich zum größten Teil um wilde Tiere, die den Weiher zum kurzzeitigen Domizil ausgesucht haben. Nach der Sanierung des Teichs wurden gerade mal ein Schwanenpärchen, vier Stockenten, 3 Stumm- und 2 Mandarin-Enten eingesetzt. Die restlichen Vögel, darunter auch als Stammgast ein Fischreiher, sind nur zu Besuch.
Eugen Reinwald hat sich sachkundig gemacht, wie in Zeiten der Vogelgrippe mit dem Geflügel zu verfahren sei. Zunächst beim Tierhygienischen Institut in Freiburg, dann beim Veterinäramt des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald. Die Auskunft, die er erhielt, dürfte auch den Kindern und Kurgästen gefallen, für die die Schwäne und Enten im Schwanenweiher ein Anziehungspunkt sind: da die Anforderungen an eine artgerechte Haltung nicht erfüllt werden können, da es sich zum größten Teil um Wildvögel handelt, und zudem weder Geflügelställe noch Futterstellen vorhanden sind, wird von einer Ausnahmegenehmigung von der Aufstallungsverordnung Gebrauch gemacht. Was heißt: die Vögel dürfen weiter draußen bleiben, da sie wie Wildtiere zu behandeln seien.
Weiterhin im Weiher dürfen sich auch die zahlreichen Schildkröten aufhalten. Die wurden von der BTT zwar ebenfalls nicht eingesetzt, sondern sind gewissermaßen private Spenden. Mehrere Rot- und Gelbwangenschildkröten sowie eine europäische Wasserschildkröte haben sich so im Laufe der Jahre eingefunden, vermutlich von „Tierliebhabern“, die vielleicht mal wieder die Badewanne zu Hause wieder alleine benutzen wollten.