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(Klaus
Amann) Wessen Kinderzeit schon ein halbes Jahrhundert und länger
zurück
liegt, der wird sich teils gerührt, teils amüsiert auch an die
Zusammensetzung der elterlichen und verwandtschaftlichen Weihnachtsgeschenke
erinnern und zwar mit deutlichem Unterschied
für „Maidli“ und „Böbe“. Praktisches,
Selbstgestricktes und Genähtes bekamen beide, die ersten „Taschentücher“ im
Fünfer – oder Zehnerpack, die Tafel Schokolade mit und ohne „Geldbeigabe“,
sowie pädagogisch akzeptierte „altersgemäße“ Bücher.
Der „kleine“ Unterschied zum Weihnachtsfest:
Die „Maidlis“ hatten ihre Puppenwagenära auszuleben, dann folgte irgendwann die erste Geschenkzulieferung für die Aussteuer. Das Hauptgeschenk „für Böbe“ wiederum hatte sehr häufig mit dem Firmenname „Märklin“ zu tun, mit Modelleisenbahnen und Metallbaukästen. Obschon, Märklin-Artikel bewegten sich – wie gute Puppen auch – im deutlich gehobenen Preissortiment, doch ihr Vorteil lag auch im „Fortsetzungskauf“, denn von Weihnacht zu Weihnacht gab es eine Ergänzung zur Grundausstattung von Bahn oder Metallbaukasten.
Ganze Generationen von künftigen Technikern und Ingenieuren erfuhren mit dem seit 1914 im Angebot befindlichen Märklin-Metallbaukasten ihre berufliche Neigung. Statik, Hebelgesetze, Mechanik und Schraubtechnik wurden „spielerisch“ erfahren, schreibt Märklin in einer Firmendarstellung.
Die augenfälligste Neuerung wurde 1929 durchgeführt: Zum schwarz/messingfarbenen Kasten kam der Metallbaukasten mit bunten Teilen. Grün, Blau, Rot, Schwarz und Messing wurden die typischen Farben. Dabei blieb es bis heute. Der Metallbaukasten hatte in den 50er und zu Anfang der 60er Jahre einen Stellenwert in den Kinderzimmern wie die elektrische Eisenbahn. Er wurde häufig mit der Eisenbahn kombiniert. Brücken, Kräne, Rampen und natürlich das Ladegut aus Metallbaukastenteilen waren oft Ausstattungsdetail der Anlagen.
Jeder Baukasten enthielt die erforderlichen Werkzeuge, „und ohne Besondere Fertigkeit oder Unterweisung kann jeder Junge (!) mit dem Bauen beginnen: Sackkarren, Schlitten, Hackpflug, Drehbank, Autos, und auch eine komplette Dreschmaschine. Dem Anfänger möchten wir vor allem raten, mit den einfachen Modellen der ersten Seiten des Anleitungsbuches anzufangen“, ist im Anleitungsbuch der 30er Jahre zu lesen.
Märklin hat große Kapitel der internationalen Spielwarengeschichte geschrieben, seitdem
Gründervater Theodor Friedrich Wilhelm Märklin in Göppingen 1859 den Entschluss fasste , Teile für Puppenküchen herzustellen. Von Anfang an arbeitete auch Frau Märklin tatkräftig am Aufbau der Firma und entwickelte eine rege Verkaufstätigkeit. Sie bereiste Süddeutschland und die Schweiz und bot die in Göppingen hergestellten Spielwaren an. Die Firma florierte und es musste schon wenige Jahre nach Aufnahme der Spielzeugherstellung neue Räume erworben und Personal angestellt werden.
Das Produktionsprogramm umfasste weiterhin Puppenküchen und Kinderkochherde, Karren jeglicher Art, Schiffe, Karussells, Kreisel und Bodenläufer. 1891 stellte Märklin die im Sinn des Wortes „entscheidenden Bahnweichen“ für die künftige Entwicklung, denn das Unternehmen zeigte auf der Leipziger Ostermesse die erste genormte Uhrwerkbahn in Form einer Acht. Die „Märklin-Modelleisenbahn“ war geboren.
Wurde die erste „Storchenbahn“ noch von einem Uhrwerk angetrieben, so folgten innerhalb weniger Jahre dampfgetriebene, also mit Spiritus beheizte, und elektrische Fahrzeuge. Ob Uhrwerk, Dampf oder Strom, alle Antriebsarten der Anfangszeit der Modelleisenbahn hatten teilweise ihre Tücken.
Uhrwerklokomotiven fuhren nur einige Runden; nach einem furiosen Start wurde die Fahrt immer langsamer bis schließlich die Feder entspannt war und der Lokomotive neue „Energie“ in Form des Federaufzugs zugeführt werden musste .
Mit Spiritus beheizte Echtdampflokomotiven waren sehr heiß und während der Fahrt nicht regelbar. Die Lokomotive fuhr, bis der Spiritus verbraucht oder das Wasser verdampft war und konnte in der Geschwindigkeit nicht beeinflusst werden. Bei zu schneller Fahrt bestand in Kurven die Gefahr der Entgleisung, wobei sich der bei einer umkippenden Lokomotive auslaufende Spiritus leicht am heißen Kessel entzünden konnte.
Elektrische Fahrzeuge wiederum wurden je nach Landstrich mit der Netzspannung von 110 oder 220 Volt betrieben, nur gesichert durch zwei Vorlampenwiderstände. Der direkte Kontakt mit der „Energie“ konnte auch hier sehr schmerzhaft und gefährlich sein. Komfortabler und sorgloser wurde es ab dem Jahr 1926 mit dem 20-Volt-System.
Ab 1935 konnten die ersten HO-Modelleisenbahnen auch auf den Tisch aufgebaut werden. 1954 endete die Ära der Blecheisenbahn war zu Ende und die Modelleisenbahn der modernen Prägung begann sich durchzusetzen.
Heute, ein halbes Jahrhundert später steht der Name „Märklin“ für die Nr. 1 im Bereich der Modellbahnen und längst gibt es den Computer gesteuerten Bahnbetrieb im Kleinformat.
Zur allgemeinen Überraschung präsentierte Märklin eine Renaissance der klassischen Blech-Technologie und zwar im Jahr 1994 mit der „Märklin-Maxi-Bahn“. Ganz aus Blech gefertigt ist sie das Einstiegssortiment zur großen Spur 1 mit dem Flair und Charme der Modelleisenbahn der 30er Jahre. Robust für Kinder und mit liebenswerter Ausstrahlung für den erwachsenen Sammler.
Und auch an die kleinen „Maidlis“ dachte das Unternehmen. 1995 gab es erstmals wieder Erlebnisspielzeug aus Blech für Mädchen: ein Puppenwagen und ein Kinderkochherd.
Quelle: Originaldokumente und Webseiten Märklin: www.märklin.d