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Klaus Amann
Länger anhaltende Arbeitslosigkeit führt bei den Betroffenen und
ihren Familien nicht nur zu finanziellen Engpässen und Existenzkrisen,
sie beschädigt auch das Selbstwertgefühl und nach einiger Zeit
vergeblicher Bewerbungen zudem die Motivation, überhaupt noch eine
Arbeitsstelle zu suchen.
Auch im Markgräflerland ist die verdeckte Not von Arbeitslosen schmerzhaft groß und in ländlichen Regionen bemühen sich die Betroffenen zudem besonders um die Aufrechterhaltung einer Scheinwelt nach außen, denn der traditionelle, halböffentliche Vorwurf „sälber schuld“ und „wer schaffe will, kregt Arbet“, der steckt sogar in den Köpfen der Arbeitslosen.
Viele Arbeitslose, egal ob Ungelernte oder Akademiker, leiden im sprichwörtlich stillen Kämmerlein zuhause, sie stecken ihre Bewerbungsunterlagen zunehmend frustriert in DIN 4 - Umschläge und sie fürchten irgendwann sogar den Briefkasten zu öffnen, weil die Unterlagen quasi postwendend mit einem Anschreiben des Bedauerns zurückkommen.
Doch, „halt emol“! Welche Qualität haben die Bewerbungsunterlagen eigentlich, die da in großen Stückzahlen an Firmen und Personalchefs geschickt werden? Passen ihre Inhalte und ihre Aufmachungen mit dem Profil der Stellenausschreibung überhaupt überein ? Machen die Unterlagen „Appetit“ für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch? Wahr ist nämlich, und jeder Personalchef wird dies bestätigen, nicht die Masse der Bewerbungen führt zum Erfolg, sondern die Passgenauigkeit von – salopp gesagt – von „Topf und Deckel“.
Und wahr ist leider auch, dass immer noch schreckliche Automatenfotos den Unterlagen beigefügt werden, Fotokopien zeigen Gebrauchsspuren und Rechtschreibfehler in den Anschreiben und dergleichen mehr zeugen den Misserfolg der Bewerbung. Und schließlich die Vorstellungsgespräche; auch da ist die Liste der „Sünden“ lang. Und sei es nur das Handy, das bei einem Bewerbungsgespräch zu lärmen beginnt.
Arbeitslose können sich für das Gesamtereignis „Bewerbung und Vorstellungsgespräch“ schulen lassen. Dabei geht es nicht um simple „Tipps und Tricks“, wie manche meinen mögen, es geht um die glasklare Standortbestimmung der eigenen Situation: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Lassen sich unrealistische , manchmal langgehegte Hoffnungen und Träume durch lebensnahe und aussichtsreiche Alternativen ersetzen?
In Freiburg trifft man im Institut für Berufliche Entwicklung (ibe) Helmut Koerner, einen talentierten und erfolgreichen „Fitmacher“ für arbeitslose Akademiker. Seine jeweils festgefügte Arbeitslosengruppe mit Teilnehmern aus Südbaden trifft sich unter seiner Leitung wöchentlich einmal. Das Coaching-Programm umfasst 24 Tage im Verlauf von 4 bis 5 Monaten. Die Kosten übernimmt überwiegend die Agentur für Arbeit und einen Teil der Kundschaft.
Helmut Koerner vermittelt keine Arbeitsplätze, sondern entwickelt mit den Teilnehmern Mut und Selbstbewusstsein für Bewerbungsabläufe. Zum Lernprogramm gehören die individuelle Beratung ebenso wie Seminar – und Trainingsteile. Statt Vereinsamung schafft das Coachingprogramm Selbstvertrauen und Engagement und dazu gehört selbstverständlich auch das Handwerkliche einer Bewerbungsaktion. Der Arbeitlose lernt, dass er um eine Arbeitsstelle nicht „bittstellert“, sondern er dem ausgesuchten Arbeitgeber seine Qualifikation anbietet und zwar auf „Augenhöhe“, verbunden mit der Frage, wie finden wir zueinander.Es geht um die bestmögliche „Selbstpräsentation“ und das „Selbstmarketing“ im offenen und verdeckten Arbeitsmarkt.
„Verdeckter Arbeitsmarkt?“ Nur ein Teil der offenen Stellen spiegelt sich in Stellenanzeigen von Presse, Internet und Anschlagtafel. Mit qualifizierten „Initiativbewerbungen“ bemüht sich der Arbeitslose um Positionen, die in Betrieben „angedacht“ sind, die neu eingerichtet werden oder die man bis gestern „eigentlich“ mit einem internen Kollegen besetzen wollte. Kurz gesagt, der Bereich der amtlich deklarierten,„offene Stellen“ ist nur ein Teil des Arbeitsmarktes.
Helmut Koerner verweist mit seiner langen Erfahrung im Personalmanagement zurecht auf die Bedeutung der „Initiativbewerbung“, die präzise auf das anvisierte Unternehmen zugeschnitten sein muss und die mit einer sogenannten „Blindbewerbung“ herzlich wenig zu tun hat. Das Unternehmen muss schon beim ersten Blick auf die Bewerbungsunterlagen erkennen, „der“ Mann oder „die“ Frau will „ohne wenn und aber“ in unseren Betrieb, „der“ oder „die“ sollten wir uns mal genauer anschauen.
Der Erfolg gibt Helmut Koerner und seinem Lernkonzept recht; sein Klientel bewirbt sich hoch motiviert und mit Erfolg. Wenn die Langzeitarbeitslose IT-Fachfrau G. – um nur ein Beispiel zu nennen - noch während des Coaching-Kurses mit all der positiv erlebten Gruppendynamik auf sieben Initiativbewerbungen kurzfristig gleich vier Einladungen zum Vorstellungsgespräch bekommt und eines der Unternehmen sie einstellt, dann scheint in diesem Freiburger Institut für die Betroffenen speziell und auch Arbeitsmarkpolitisch etwas richtig und erfolgreich zu verlaufen.
In einem Dankschreiben kommentierte Frau G.: „Sogar Absagen waren durch das Coachingprogramm leichter zu ertragen, denn ich hatte über die Gruppe die Gewissheit bekommen: irgendwann klappt’s.......!“
Auskünfte über Coaching - Programme für Langzeitarbeitslose geben die Arbeitsagenturen, sowie: ibe – Institut für Berufliche Entwicklung, Kartäuserstrasse 61, 79104 Freiburg im Breisgau, Tel.: 0761/704289–0, Mail: h.koerner@ibe-consulting.de