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-gh- Von wegen, es gibt es keine kinderreichen Familien in Deutschland!
Der Gegenbeweis ist vor einem Jahr in den Kurort gezogen: Ute und Wolfgang
Mertinatsch, 43 und 46 Jahre alt. Mit ihnen kamen fünf eigene Kinder
sowie ein Pflegekind. Zwei Kinder sind bereits erwachsen und wohnen nicht
mehr bei der Familie. Wenn das so weitergehen sollte mit den Zuzügen
läuft der Kurort Gefahr, seinen Spitzenplatz in der Hitliste der baden-württembergischen
Gemeinden mit dem höchsten Altersdurchschnitt zu verlieren.
Die Großfamilie hat sich im Haus „Gottestreue“ eingerichtet. Sie brachten noch einen Hund, zwei Zwergziegen, eine Katze, ein Frettchen sowie zwei Enten mit. Jetzt haben wir endlich Platz, um unsere Idee umzusetzen, sagt Ute Mertinatsch, die mit ihrem Umzug nach Badenweiler an ihren Geburtsort zurückkehrt. Allerdings hat sie hier nur kurz gelebt, denn als sie ein Jahr alt war, sind ihre Eltern und Geschwister weggezogen. Sieben Kinder waren es auch in ihrer Familie.
Die Idee, die Ute und Wolfgang Mertinatsch jetzt verwirklichen wollen, hängt mit ihrem Glauben zusammen. Vor zehn Jahren haben sie sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden und traten einer Evangelischen Freikirche bei. In dieser Zeit kam die Idee, die Ute Mertinatsch heute als Berufung bezeichnet mit einem christlichen Auftrag: „Zu euch werden Scharen von Kindern kommen und sie werden bei euch Heilung und Hilfe finden.“
Schon häufiger in den vergangenen Jahren haben sie Kinder bei sich aufgenommen, in Tagesbetreuung, auf absehbare Zeit und unentgeltlich. Das waren Kinder, die mit ihren Eltern nicht klar kamen und umgekehrt, bei denen die Eltern überfordert waren und Hilfe brauchten. Jetzt wollen sie diese Erfahrungen in ein Projekt umsetzen. Die neuen Räumlichkeiten bieten dafür nicht nur genügend Platz, auch die Geschichte des Hauses „Gottestreue“ scheint dieser Idee entgegenzukommen. Sollte das im Jahr 1909 von der Kaiserswerther Diakonie erbaute Haus doch ursprünglich der Aufnahme von Straßenkindern und Waisen dienen, bevor es dann zu einem Erholungsheim für Schwestern wurde.
Gedacht ist, dass im Anbau des Hauses junge Mütter mit ihren Kindern für ein, zwei Jahre unterkommen, um dort in Gemeinschaft mit der Großfamilie zu lernen, was Kinder brauchen und wie man den Alltag von Kindern und Müttern am sinnvollsten organisiert. Eine Gemeinschaftsküche ist dabei ein gutes Übungsfeld. Das ist ein wenig wie betreutes Wohnen, erklären die Eltern den Kern ihres Projekts. Und machen deutlich, dass in der heutigen Zeit alleinerziehende Mütter häufig überfordert seien. Sie wollen dabei Hilfestellung geben, wie die Interessen von Kindern und Müttern unter einen Hut zu bekommen sind, wie ein normales Familienleben erlernt werden kann. Das wichtigste jedoch sei, sagt Ute Mertinatsch, dass die Kinder Aufmerksamkeit, Liebe und Anerkennung erfahren. Sie selbst wollen übrigens auch noch zwei bis drei Pflegekinder aufnehmen.
Anfang nächsten Jahres soll das Projekt starten. Bis dahin wird noch weiter renoviert.
Erste Kontakte mit dem Jugendamt und mit Frauenärzten in der Region wurden bereits geknüpft. Einen Verein haben sie noch nicht gegründet, doch das könne noch werden, sagte Wolfgang Mertinatsch, als er über die Finanzierung des Projekts spricht. Genaueres steht noch nicht fest.