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(Klaus Amann) Zunächst möchte man schmunzeln oder skeptisch denken „Na
ja...“,
wenn von der „Währung“ namens „Markgräfler“ zu
hören und zu sehen ist,
die in Heitersheim und nächster Umgebung kursiert und als
Zahlungsmittel von einigen Dienstleistern, Warenproduzenten und
Kauflädele akzeptiert wird. Dieses „Spielzeuggeld“ löse
bei Banken und Sparkassen doch bestenfalls erstauntes Stirnrunzeln oder prustendes
Gelächter aus, so das schnelle Urteil.
Doch, es lohnt eines genaueren Hinsehens auf die Aktivitäten des in Heitersheim beheimateten „Markgräfler Regional Vereins für nachhaltiges Wirtschaften“, denn der wirtschaftstheoretische Unterbau und auch die praktische Handhabung dieses „Regiogeldes“ sind keineswegs „spinnert“, sondern haben sehr wohl „Hand und Fuß“.
Zwar befindet nur der Gesetzgeber der Bundesrepublik Deutschland über die Landeswährung und die heißt nun mal „Euro“ und eine amtliche Zweitwährung kann es legal daher nicht geben – etwa die zwischenzeitlich romantisch verklärte „Mark“ - aber welche Zahlungsmittel ein Kaufladen oder Malermeister zusätzlich akzeptiert, das ist deren Sache und erfordert nur die Übereinstimmung von Lädele, Maler und Kunde. Selbstverständlich kann jedermann Waren und Dienstleistungen auch mit Schweizer Franken, mit US-Dollars oder mit Geldschein ähnlichen Gutscheinen bezahlen, wenn besagtes Lädele oder der Malermeister diese Zahlungsweise akzeptiert.
„Richtiges“ Geld ist der „Markgräfler“ in den Werten 0,5 Euro, 1 Euro, 5 Euro und 10 Euro also nicht; es ist vielmehr ein „echter“ Gutschein mit dem Prädikat „Markgräfler Regiogeld“, der im übrigen die Eurowährung nicht ersetzen, sondern begleiten will. Was die Heitersheimer Währungsmacher mit diesem Regiogeld beabsichtigen, beschreiben sie in einem Prospekt.
Erstens sollen Anbieter von Produkten und Dienstleistungen stabile Kundenkreise gewinnen. Zweitens sollen die Verbraucher (E.A. „vor Ort“) die regionale Wirtschaft stärken und damit zum Erhalt der Arbeitsplätze beitragen. Und drittens bekommen gemeinnützige Projekte eine langfristige Unterstützung.
Beim Geld würde die Freundschaft meist aufhören, sagt der Volksmund. Die bundesweit zunehmend in Vereinen vernetzten, regionalen „Währungsmacher“ wie jene in Heitersheim hingegen behaupten, bei ihrer Sorte Geld würden die Freundschaften zwischen Anbieter und Verbraucher erst so richtig anfangen.
Die erste Initiative in Deutschland für eine regional gebundene „Währung“ gab es vor 5 Jahren in Bremen mit dem „Roland“. Vor mehr als einem Jahr startete die Schülerfirma der Waldorfschule in Prien mit ihrem heute putzmunteren „Chiemgauer“ eine regionale Währung. Und weil es in Deutschland verboten ist, eine eigene Währungen zu drucken, gründeten die Initiatoren einen Verein. Wer den „Chiemgauer„ also nutzen möchte, muss Mitglied des Vereins sein; die Mitgliedschaft ist kostenlos. Unter anderem aus diesem juristischen Grund wurde auch in Heitersheim der Markgräfler Regionalverein für nachhaltiges Wirtschaften e. V.“ gegründet. Auch in Freiburg ist eine Gruppe dabei, einen „Breisgauer“ zu entwickeln.
Die Geschichte des Geldes zeigt, dass vor allem im Verlauf von Krisenzeiten neue Währungen die bislang gebräuchlichen Scheine und Münzen zu ersetzen suchen. Man denke an die katastrophale Inflation von 1923, als „s’Geld verreckte“ und die Kommunen und Fabriken ihre eigenes Geld zu drucken begannen. Man blättere zudem in der DDR-Geschichte, als es neben der offiziellen Währung immer auch die geduldete Parallelwährung aus Westgeld und direktem Gütertausch gegeben hat.
Die Währung Euro und seine sozialpolitischen Wirkungen beim Tausch von Gütern und Dienstleistungen auf europäischer und globaler Ebene wird in einigen Kreisen der Bevölkerung zunehmend misstrauisch beäugt. Auch hier im Markgräflerland fragen sich die Akteure der Alternativwährung, ob die Kaufkraft der Regio womöglich ungebührlich hoch an der regionalen, mittelständischen Wirtschaft vorbeifließt und vor allem die Kassen weit entfernter Handelsriesen füllt.
Die Grundidee dieser Regionalwährungen verweist auf ein sehr erfolgreiches Projekt im Österreich anno 1932. Damals koppelte sich eine bankrotte Kommune vom Staatsgeld ab und schaffte es durch die Mobilisierung eines lokal begrenzten Wirtschaftskreislaufes aus der Lethargie der Wirtschaftskrise heraus zu kommen.
In einem dokumentarischen Hörspiel des Bayerischen Rundfunks in München (2003) wurde „Das Geldwunder von Wörgel“ dargestellt. Die Idee einiger Bürger war einem zeitgenössischen Flugblatt zu entnehmen. Die Verfasser reklamierten im Wortlaut „Langsam umlaufendes Geld hat die Welt in eine unerhörte Wachstumskrise und Millionen schaffender Menschen in unsägliche Not gestürzt (......) Die Menschen (aber) leben vom Austausch ihrer Leistungen. Der langsame Geldumlauf hat den Leistungsaustausch unterbunden...“
Ob jene Wirtschaftskrise vor rund 70 Jahren eine Parallele zu den Krisenerscheinungen unserer Tage hat, das sei dahingestellt. Die Heitersheimer Geldgutscheinmacher – so muss man das wohl nennen – stehen jedoch nicht allein. Das Deutschland weite Netzwerk wächst. Es gibt Initiativen, wie erwähnt, in Freiburg, aber auch in Villingen-Schwenningen und auch in Schopfheim ist eine Regionalwährung mit dem Namen „Wiesentäler“ im Entstehen.
Die regionalpolitische Grundidee einer solchen „Zweitwährung“ ist nicht leichthin vom Tisch zu wischen, denn der „Markgräfler“ hat eine für mehr Wirtschaftswachstum bemerkenswerte Eigenschaft: er ist nur ein Vierteljahr haltbar! Sparen und horten geht nicht, man muss ihn für Waren und Dienstleistungen ausgeben oder man macht Verluste ---- und zwar in Euro.
Kontakt-Adresse:
Markgräfler Regionalverein für nachhaltiges Wirtschaften e.V.
Rudi Eichenlaub, Staufener Str. 1 a, 79423 Heitersheim, Tel. 07634-551769, E-mail: annerudi@gmx.net