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Der Drehstuhl, wie die Drehbank bei Uhrmachern heißt, steht in einer Kiste unter einem Tisch. Paul Böhm hat sie schon lange nicht mehr benutzt. Das war nicht immer so, doch die Zeiten haben sich geändert. Als Paul Böhm 1956 dann seinen Meistertitel in der Uhrmacherzunft gemacht hat, gab es fast nur mechanische Uhren. Wurde solch eine Uhr zu ihm zur Reparatur gebracht, so kam es schon einmal vor, dass einzelne abgenutzte Teile, Walzen zum Beispiel, nachgefertigt werden mussten.
Welche Voraussetzungen muss man mitbringen für diesen Beruf? Vor allem Geduld, sagt er, und die Freude am Tüfteln. Eine ruhige Hand braucht es auch. Und natürlich eine solide handwerkliche Ausbildung. Dass er vor seinem Meistertitel als Uhrmacher eine Lehre als Feinmechaniker absolviert hatte, kam ihm da sehr entgegen.
Kurz nach der Meisterprüfung hat er sein erstes Geschäft in Badenweiler gegründet. Heute betreibt er ein Uhren- und Schmuckgeschäft in der Fußgängerzone. Doch inzwischen ist aus dem Uhrmacher ein Batterienwechsler geworden, sagt Paul Böhm mit etwas Wehmut in der Stimme. Der Niedergang der einst so stolzen Zunft ging schrittweise vonstatten: erst kam die Quarzuhr, bei der nur noch Räder- und Zeigerwerk mechanisch waren, der Rest funktionierte elektronisch; es folgte die Digitaluhr, die, wenn die Zeitanzeige nicht über Flüssigkeitskristalle erfolgte, immerhin noch ein mechanisches Zeigerwerk hatte; schließlich kam die Funkuhr. Bei der gibt es außer der Batterie und Elektronikteilen nichts mehr zu ersetzen. Paul Böhm: „Mir sind die Hände gebunden“.
Vor etwa 25 Jahren hat Paul Böhm das erste Mal geahnt, dass es mit seinem Beruf zu Ende geht. Damals kamen immer mehr Wegwerf-Uhren, wie er diese modernen Billigprodukte nennt, auf den Markt. Doch Alternativen habe es für ihn keine gegeben. Er musste sich neu orientieren, sich neue Kenntnisse aneignen. Doch das, was einmal den Uhrmacherberuf ausmachte, ist unwiderruflich dahin: „Die Liebe an einem Werk, bei dem alles zusammengehen muss“. Natürlich gibt es immer noch Kunden, die alte mechanische Uhren zur Reparatur bringen. Für einen gelernten Uhrmacher sei diese kein Problem. Und manchmal, allerdings sehr selten, verlange ein Kunde ausdrücklich eine mechanische Uhr.
Doch kürzlich hatte er eine junge Kundin, die ihre Uhr zur Reparatur vorbei brachte. Sie habe noch eine alte Armbanduhr zu Hause erklärte sie ihm, so eine zum aufziehen. Allerdings hatte sie damit ein Problem: „Wie zieht man eine Uhr auf?“. Er hat es ihr gezeigt.
Wie lange will er noch weitermachen? Paul Böhm, zwischen 78 Jahre alt, zögert mit seiner Antwort. Solange ihm dies gesundheitlich möglich sei, wolle er weitermachen. Dann sagt er: „Wenn ich eine Uhr auseinander nehme und wieder zusammen baue und ein Rädchen übrig bleibt“.
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