50. Auggener Winzerfest

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Zum 50. Mal vom 16.9.-19.9.2005:

Z’Augge uffem Winzerfescht

Klaus Amann

Bitte, nicht verwechseln, „d’Auggener“ feiern nicht den 50. Jahrestag ihres immer wieder beeindruckenden Winzerfestes, sondern das fünfzigste Winzerfest seit 1949, denn es gab eine Unterbrechung, wie uns die Chronisten überliefern. „Z’Augge uffem Winzerfescht“, so lautet übrigens das historische Winzerfestlied, das Ratschreiber Alfred Gugelmeier anno dazumal verfasste.

Alt-Bürgermeister Erich Läubin erinnert in der Orts-Chronik von 1972 an die Winzerfest - Premiere 1949, an die Pause nach 1952 und an den schwungvollen Neubeginn in seiner Obhut. Anno 1959 nämlich wählte die Bürgerschaft ihn, den Bäckermeister, zum neuen Dorfvogt und bereits im September 1959 gab’s eine zweite Winzerfest-Premiere.

Bis in unsere Tage hinein sind keine Unterbrechungen mehr zu verzeichnen und das historische Füllhorn dieses bundesweit populären Weinfestes ist prall gefüllt mit großen und kleinen Ereignissen aus Politik und Kultur, aus Sport und Unterhaltung. Und manch ein wackerer Zeitgenosse machte über die Jahrzehnte hinweg fröhliche Erfahrung mit dem legendären „Auggener Viertele“.

Das erste Winzerfest in der Gemeinde Auggen und damit auch im ganzen Markgräflerland fand 1949 im .,Paradies“ am südlichen Ausgang des Dorfes statt. Es war ein Riesenerfolg. Das Fest dauerte zehn Tage, schreibt Alt-Bürgermeister Läubin in der Ortschronik. Tausende Besucher waren von der Art dieses Volksfestes begeistert und mit dem Erlös konnte man die neuen Kirchenglocken bezahlen.

Was lag näher, als ein so glänzend begonnenes Volksfest alljährlich zu veranstalten? Als Träger des Winzerfestes 1950 traten die örtlichen Vereine auf. Die Begeisterung der Besucher und der Erfolg ließen gegenüber dem Fest des Vorjahres in nichts nach, so der Autor. Maßgebend bei der Ausgestaltung dieser ersten Feste waren Julius Kibiger, Eugen Fazler und Alfred Gugelmeier.

Der Erfolg nach außen nahm spürbar zu, während in der Frage der Organisation Schwierigkeiten auftauchten, welche dann die vorübergehende Einstellung der Winzerfeste zur Folge hatte. Im September 1959 indes war es soweit. Was keiner geglaubt hatte, war gelungen, die Gemeinde Auggen konnte sich mit einem Schlag neben die benachbarte Gemeinde Schliengen mit deren Winzerfesten stellen.

1960 fragte man sich wohl auch in Auggen, ob Petrus denn nicht mehr im Markgräflerland wohnt? Denn das Jahr 1960 war durch zwei Unwetterkatastrophen belastet, die für das ganze Dorf und für alle Winzer einen schweren Schlag bedeuteten. Dabei tauchte wieder die Frage auf, soll man unter diesen Umständen ein Winzerfest abhalten? Doch das Fest fand statt, berichtet Erich Läubin.

Ein besonderes Ereignis war das sogenannte „Schlammfest“. Ein von der Gemeinde Auggen veranstalteter Wettkampf zwischen profilierten Persönlichkeiten des Landkreises Müllheim brachte nicht nur eine hervorragende Stimmung in das Festzelt, sondern half auch finanziell die durch das Unwetter aufgetretenen Schäden zu beheben.

„Nachdem in turnusmäßigen Abständen von zwei Jahren die Gemeinde Efringen-Kirchen sowie die Städte Müllheim und Staufen das große Markgräfler Weinfest in ihren Mauern abgehalten hatten, konnte für das Jahr 1961 kein Träger dieses großen Festes gefunden werden. In letzter Minute sprang hier die Gemeinde Auggen ein. Das buchstäblich aus dem Boden gestampfte 4. Markgräfler Weinfest wurde nicht nur für Auggen, sondern für das ganze Markgräflerland ein großer Erfolg. Die Gemeinde Auggen mit ihren vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern hatte bewiesen, dass sie nicht nur eine gut harmonisierende Dorfgemeinschaft ist, sondern es versteht, solche Aufgaben mit Bravour zu bewältigen“, lobt der Bürgermeister im Rückblick.

Das Jahr 1962 brachte ein Doppelfest, nämlich das Auggener Winzerfest und das hundertjährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Auggen. Im Rahmen des Winzerfestes beging man auch den 40. Geburtstag der Winzergenossenschaft Auggen mit einer Ehrung des Geschäftsführers Robert Gugelmeier. An diesem Winzerfest empfing die Gemeinde Auggen den ersten Sonderzug aus Karlsruhe mit 50 Personen. Damit war eine höchst erfolgreiche Touristen-Tradition mit Sonderzügen begründet. Mit später weit mehr als 1000 Gästen geriet die Gemeinde Auggen zeitweise dann aber auch an den Rand ihrer Infrastruktur.

Große Ereignisse und „große Köpfe“ bleiben in Erinnerung, zu Besuch war 1965 sogar Bundeskanzler Ludwig Erhard. Das Winzerfest 1966 hat sein besonderes „Outfit“ durch die Koppelung mit einem Reitturnier mit sage und schreibe 200 Teilnehmern „hoch zu Roß“. Der im Jahre 1966 begonnene Bau der großen Halle brachte natürlich erheblich Kosten und Schwierigkeiten der Finanzierung, aber der persönlich mithaftende Bürgermeister und seine Mitstreiter bewiesen Mut und Erfolg.

Nahezu die ganze deutsche Weltmeisterschaftself, die „Helden von Bern 1954“, traf 1966 in Auggen auf die ehemalige Schweizer Nationalmannschaft zu einem Winzerfest-Freundschaftsspiel. Ehrengäste waren der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger und der bekannte Skisportler Georg Thoma aus Hinterzarten. Tags darauf spielte der FC Freiburg gegen eine Stadtmannschaft von Mülhausen. Eine große Tombola mit einem Volkswagen als ersten Preis und weiteren wertvollen Preisen brachte in dieses Fest noch einen besonderen Reiz.

Mit jedem Jahr wurden die „Feschtle“ immer größer; das Winzerfest Auggen hatte eine Wachstumsrate, die dann zwangläufig auch zu Sorgenfalten führte. Aus den Programmheften der Winzerfeste ist die Vielfalt der einzelnen Veranstaltungen und die entsprechende Belastung für Bürgermeister, Gemeinderäte und son­stige verantwortliche Leiter zu ersehen.

Denn ein Winzerfest zu planen, zu organisieren und vor allem auch finanziell zu kalkulieren, das ist bis heute eine „harte Nuss“ für die Akteure aus den Reihen der „WG“, der Gemeinde und der Vereine. Denn wahr ist auch, die Zeit des selbstverständlichen Ehrenamtes und der unbezahlten Schwerstarbeit sind auch in der Winzergemeinde Auggen zu Ende. Man möge sich bitte nur noch an den Aufbau und die Ausschmückung der Riesenzelte erinnern, als es in Auggen noch keine Winzerhalle gegeben hat. Eine solche Schinderei wäre heute nicht mehr möglich und zwar überall im Markgräflerland.

Auch das Winzerfest Auggen hat sich über die Jahrzehnte hinweg verändert und weiter entwickelt, doch auch die Ansprüche des werten Publikums sind mächtig gewachsen. Man erinnere sich an das bescheidene Programmangebot von 1949, als ein unbekannter Autor in die Schreibmaschine tippte:

„Es fällt nicht leicht, aus dem reichhaltigen Programm die markantesten Punkte herauszuheben. Da waren die ausgezeichneten Darbietungen der örtlichen Vereine, die durch Gesangs- und Musikvorträge und turnerische Vorführungen überraschten und erfreuten. Bauerndichter Fritz Gugelmeier gab in seiner sinnvollen, von tiefer Gedankenlyrik durchwebten Festrede die Begründung für die große Veranstaltung......“.

Die Winzerfeste kommen und sie gehen und nun feiert Auggen zum 50. Mal sein Winzerfest. Der eine oder andere wird an den Rebensäften der Gemarkung gewiss nicht nur nippen, sondern sich auch mal einen kräftigen Schluck genehmigen. Wohl bekomm’s.....

Quellen:

Engelhardt Buhrin, Der Weinort Auggen, Hgs.Gemeinde Auggen 1972

U.V., Auggen mitten im Winzerfest, 1949

Zeitungsberichte Markgräfler Nachrichten (BZ)

Erich Läubin, Alt-Bürgermeister, 25 Jahre Gemeinde Auggen 1959 - 1984

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