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Von Klaus Britting
Die Verkehrsbehinderungen nehmen zu. Mit großem Getöse nähert sich die Deutschland-Rallye ihrem Zielort Berlin. Am 18. September werden die Teilnehmer dort eintreffen, erschöpft von den Strapazen der teils verwegenen Fahrt. Schauen wir uns Fahrzeuge und Fahrer noch einmal näher an:
Der Schröder King GT, Liebling der deutschen Automobilindustrie, mit dem kupplungsintensiven Clement-8-Gang-Getriebe, das wegen seiner Schwergängigkeit zu Ausfällen führte. Der neue Hartz-4-Motor mit zuschaltbarem H-2-Turbolader erwies sich anfangs, vor allem in ostdeutschen Hügellandschaften, als zu aggressiv, findet jedoch immer mehr Anhänger. Störend: die unkontrolliert eingreifenden Stolpe–Bremsen und der schwache Eichel-Doppelvergaser, der ständig zu Benzinverlusten führt. Eine Besonderheit: der Fahrer lacht permanent, auch wenn er überholt wird. Das hat nichts zu bedeuten!
Das einzige Cabrio im Rennen: Angela 2800 de Luxe. Eigens für dieses Modell konstruiert: die Permanent-Doppellenkung EDI 007. So kann der Beifahrer nach Belieben die Richtung verändern. Dies soll allerdings zu Handgreiflichkeiten mit der Fahrerin geführt haben, weshalb der große Vorsprung, den man erzielt hatte, verloren ging. Der Konstrukteur überlegt, wie er das System verändern kann, ohne dem Beifahrer das Gefühl zu nehmen, mitzulenken. Auf Beifahrerseite ist der Wagen im Übrigen gepanzert sowie mit Raketenwerfer, Nebelkerzen und Fallschirm ausgestattet. Vorsicht: in Rechtskurven neigt das breite Fahrzeug zum Ausbrechen. In ostdeutschen Gefilden darf deshalb nur im 2. Gang gefahren werden. Den Beweis, auch schlechtwettertauglich zu sein, muss das Gefährt erst noch bringen.
Die Sensation: Der Lafontaine Change. Vom Aussehen her ein reinrassiger Renner. Das täuscht, denn im Inneren sitzt der altbewährte Gysi-Turbodiesel, der von dem ungewöhnlich flexiblen Os-Kar-Getriebe zu Höchstleistungen gebracht wird. Achtung: wegen häufigem Ausfall des Bremssystems kommt es zu ruckartigem Schleudern, wobei das Fahrzeug mal nach rechts, mal nach links gerissen wird. Die dadurch entstehende hohe Kollisionsgefahr bei Überholversuchen kann das Rennen entscheidend beeinflussen!
Der Grüne Frosch – einst die Alternative zu konventionellen Automobilen. Die Karosserie aus imprägniertem Pappmaché ist in die Jahre gekommen. Ebenso der blubbernde Fischer-Motor mit 45 PS, der kein Benzin mehr verträgt, sondern nur noch mit Ziegenmilch aus Freilandhaltung gefahren werden kann. Das Interieur aus unbehandeltem Fallholz, Hanfgeflechtsitzen und Bananenblatthimmel aus Entwicklungsländern ist seit fünfundzwanzig Jahren unverändert und reparaturbedürftig, ebenso der Geigerzähler als Blumenvase. Fährt gern im Windschatten des Schröder King GT, was allerdings nicht ungefährlich ist, falls dieser aus der Bahn geworfen wird.
Ein Exot am Rande: der Guido Advocat 5000 XXL. Dient eigentlich nur als Servicefahrzeug für das Cabrio Angela 2800 und fährt deshalb – trotz der angeblich 480 PS - dem Feld hinterher. Sein Fahrer bietet den Wagen jetzt allen Teilnehmern zum Service an. Problem: niemand kennt die technischen Daten und Qualitäten des Fahrzeugs genau. Angeblich soll es sich um einen Sportwagen für Besserverdienende handeln. Neuerdings wird er auch als Wagen für das Volk propagiert, was angesichts der Innenausstattung mit indischem Oasengemsenleder, kaukasischem Nussbaum, Champagnerbar und Geldzählmaschine eher unglaubwürdig klingt. Vorsicht: der Fahrer verliert öfter die Orientierung. Es besteht die Gefahr, dass er nicht ankommt.
Man darf dem Ende der Deutschland-Rallye mit Spannung entgegen sehen!