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Alter Film und neue Premiere: Nach Regen scheint Sonne

(Klaus Amann) Südbadische Cineasten freuen sich in diesen Tagen über eine „abgenudelte“ und kürzlich entdeckte Schmalfilmkopie des in Staufen und Freiburg 1949 hergestellten Kinostreifens „Nach Regen scheint Sonne“. Sämtliche 35mm-Kinokopien und auch die originalen Bild - und Tonnegative sind seit Jahrzehnten spurlos verschwunden.

Doch nun ist eine 16mm - „Wanderkino“ - Kopie dieses Filmes glücklicherweise wieder aufgetaucht. Mit einigem Aufwand an Technik und Geld wurde sie in der Obhut von Freiherr Nikolaus von Gayling - Westphal aus Freiburg - Ebnet, Germar Seeliger vom Kulturamt Staufen und vor allem mit dem Engagement des Filmhistorikers Hans-Jürgen Tast restauriert.

Somit steht dieses Kino-Heimatgewächs einer glanzvollen und fröhlichen Wiederaufführung in der historischen Reithalle Freiburg - Ebnet und im Martinsheim Staufen zur Verfügung.

In dieser Reithalle entstanden vor 56 Jahren die Innenaufnahmen dieses Kinofilmes, dem die künstlerische Anerkennung und der finanzielle Kassenerfolg seinerzeit vollkommen versagt blieb und den Konkurs der Freiburger Produktionsfirma „Arbeitsgemeinschaft Film“ auslöste. Sei’s drum; dieser Nachkriegsstreifen ist ein Kapitel unserer regionalen Kinogeschichte und darum ist er für uns allemal sehenswert, als eine erfreuliche Bereicherung des „Ebneter Kultursommers 2005“.

Regisseur Erich Kobler kurbelte diese Tragikkomödie seinerzeit mit den Akteuren Sonja Ziemann und Gert Fröbe (Bild). Ferner wirkten mit: Rudolf Platte, Ralph Lothar, Willy Reichert, Liesl Karlstadt und auch Beppo Brem. Gunnar Möller, damals in der Rolle als junger Polizist Otto, wird an der Neupremiere nach nunmehr 56 Jahren vielleicht teilnehmen. Als Drehorte fungierten 1949 zusätzlich die Altstadt von Staufen, die Umgebung von Freiburg und die Dreisambrücke in Eichstätten.

In diesem Melodrama rettet der lebensmüde Konstantin (Gert Fröbe) die herzallerliebste Tochter des Bürgermeisters (Sonja Ziemann) , die ebenfalls ihrem jungen Dasein ein Ende setzen will. Um ihr zu helfen, heiratet er sie unter falschem Namen. Nach einigem Hin und Her finden beide gemeinsam ihr Eheglück. Im „Lexikon des internationalen Films“ wird der Streifen so kommentiert: „Anspruchslose Nachkriegskomödie mit viel Klamauk und ein wenig Zeitkolorit“.

Wahr ist, dass der große Mime Gert Fröbe diesen Film „Nach Regen scheint Sonne“ geradezu verfluchte. Längst war er auf dem Weg, als „Otto Normal Verbraucher“ die internationale Reputation als Kabarettist und Schauspieler zu finden; da kam ihm ein künstlerischer Fehlgriff dieser Art höchst ungelegen. Gregor Ball schreibt hierzu in der Biografie „Gert Fröbe - seine Filme- sein Leben“ (Heyne 1982) :

Fröbe hatte an diesem Film keine Freude. Obwohl er den Liebhaber von Sonja Ziemann mimen durfte, die sich dann ein Jahr später mit dem überaus erfolgreichen Schwarzwaldmädel (16 Millionen Zuschauer) in die Herzen des deutschen Publikums spielen sollte. Laut Drehbuch sollte er einen jungen Mann spielen, der auf einer Sternwarte die Zeit ansagt: »sechs Uhr und vier Minuten, ..sechs Uhr und fünf Minuten .... sechs Uhr und sechs Minuten ....« So etwas gab es auch damals nicht, aber es war eine recht phantastische Vorstellung, die den Kabarettisten Fröbe reizte. Denn eines Tages dreht dieser Mann durch, bekommt Alpträume und hört Stimmen wie: »Hier ist Peru! Uns fehlen fünf Stunden und 25 Minuten!« - »Hier ist die Schweiz - wo bleibt unsere Zeit!«

Diese Szene war für Gert Fröbe das Kernstück des Films und die Voraussetzung seiner Mitwirkung. Um so mehr erstaunte es ihn, dass er diesen Part nie auf der Disposition finden konnte. Dafür nahmen die Außenaufnahmen rund um Freiburg im Schwarzwald kein Ende. »Wann kommt denn bitte endlich die Sternwarte?«, fragte Fröbe immer drängender. Worauf man sich bequemte, ihm mitzuteilen: »Ach, diesen Quatsch lassen wir einfach weg! Dafür bekommen Sie ein hübsches Lied zu singen.« »Und wie soll das heißen«, erkundigte sich der Hauptdarsteller, schon mißtrauisch geworden. »Auf Regen scheint Sonne.« Da brach Fröbe fast zusammen.

»Dieser Schlager war schon seit zwei Jahren passe. Den sangen nicht einmal mehr Dienstmädchen«, erinnert er sich. »Mir aber war nun endlich klar, was die in Wirklichkeit machen wollten, was diese vielen Schwarzwald-Aufnahmen sollten. Ich packte meine Koffer und wollte mich nachts um zwei aus dem Hotel schleichen. Aber in der Halle traf ich unseren Produktionsleiter!«, erzählt Fröbe. Er packte mich am Arm, nahm mich beiseite und sagte: »Fröbe, ich kann Sie verstehen. Auch Ihre Enttäuschung. Aber wenn Sie jetzt aussteigen, kostet Sie das 180.000 „neue“ deutsche Mark. Diese Summe haben wir bis jetzt verdreht. Wenn Sie eine solche Konventionalstrafe riskieren wollen, können wir Ihrer Abreise nichts in den Weg legen.«

Fröbe blieb, schilderte Gregor Ball in seinem Buch. Der Film kam kurz vor Weihnachten 1949 in die Kinos, und was folgte, war schlicht ein cineastischer Wolkenbruch, denn die Handlung beginnt damit, dass Gert Fröbe mit einem Strick in der Hand im Wald einen Baum sucht, an dem er sich aufhängen kann. Er prüft gewissenhaft die verschiedenen Äste, aber sie brechen alle ab. Ein Räuber, der ihn überfallen will, wird zum Tröster statt zum Mörder. Fröbe springt von einer Brücke ins Wasser, aber es gelingt ihm nicht zu ertrinken. Der Pechvogel rettet nun sogar die lebensmüde Sonja Ziemann und erklärt sich bereit, den ausgebliebenen Bräutigam zu markieren. Selbst das Happyend trägt noch eine heimliche, nicht zu übersehende Wehmut in sich.

Die Kritiken waren noch relativ glimpflich für den Hauptdarsteller Fröbe ausgefallen: „Er erreicht stellenweise Chaplins Tragik in der Komik. Man lacht Tränen über ihn, und zugleich läuft es einem kalt über den Rücken(.....) Sonja Ziemann, gar reizend anzusehen in ihrer blühenden Jugend, tollt und schmollt im Gärtchen der Liebe. Gert Fröbe wird sich um bessere Stoffe und Mitarbeiter kümmern müssen, denn es wäre schade, wenn er sich wie hier durch die Gegend „balladeln“ würde. Es geht in diesem Film (.....)wie Kraut und Rüben durcheinander. Aber lasst uns auch die Hoffnung, dass nach Regen wieder die Sonne scheint……“

Gert Fröbe hatte an der künstlerischen und finanziellen Freiburger Filmpleite keine Schuld. Damals - 1949 - befand sich das deutsche Kino in einer seiner vielen Krisen, denn die Besucher wollten keine Gedanken schweren „Trümmer - und Heimkehrerfilme“ mehr sehen. Sie wollten flotte und brave Leinwandmärchen vorgesetzt bekommen; Agfacolor bunte Heimatfilme. Und die wurden auch im südlichen Schwarzwald gekurbelt. Auch in Staufen. Einer der Titel hieß „Schwarzwälder Kirsch“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun steht also ein Wiedersehen mit Sonja Ziemann und Gerd Fröbe in dem wieder entdeckten Streifen „Nach Regen scheint Sonne“ aus dem Jahre 1949 bevor. Nach so vielen Jahren „der Versenkung“ dürfte er ein großes Publikum finden, das sich an diesem Dokument der regionalen Filmgeschichte vergnügen will.

Also, Licht aus! Vorhang auf! Film ab!

Freiburg-Ebnet, Reithalle, Samstag, den 10.September 2005 um 21.00 Uhr; dann, im Rahmen der Staufener Kulturwoche, am Samstag, den 8. Oktober 2005 um 16.00 Uhr und am Sonntag, den 9. Oktober um 11.00 Uhr, jeweils im Martinsheim Staufen.

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